---
name: aufgabenstellung-erfassen-fachgebiet
description: "Student erhaelt Hausarbeit-Aufgabenstellung und will den Sachverhalt strukturiert erfassen. Drei-Lese-Methode zerlegt Sachverhalt in wesentliche Tatsachen Beteiligte Zeitschiene. Bearbeitungsvermerk identifizieren wer fragt was wird geprüft. Normen §§ 133 157 BGB Auslegungsmethodik. Prüfraster Sa..."
---

# Aufgabenstellung erfassen

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: Hausarbeitsfrist i.d.R. 4-6 Wochen, kein Abgabeaufschub, JAG-Wiederholung pro Klausur, Promotionsverfahren landesrechtlich.
- Tragende Normen verifizieren: JAG/JAPO Land (Pflicht-Hausarbeit), HRG, Studien-/Prüfungsordnung, GG Art. 5 Abs. 3, UrhG §§ 51, 51a (Zitatrecht), Promotionsordnung — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Studenten, Korrektor (Lehrstuhl/Justizprüfungsamt), Bibliothek, juris/Beck-Online (Recherche), Plagiats-Software.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Gutachten-Hausarbeit, Sachverhalt, Lösungsskizze, Literaturverzeichnis, Plagiatsbericht, Korrekturanmerkungen, Notenbescheid — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Triage zu Beginn
1. Hausarbeit oder Seminararbeit — und von welchem Lehrstuhl/Fachgebiet?
2. Welches Rechtsgebiet ist nach erster Lektuere des Sachverhalts erkennbar?
3. Gibt es im Bearbeitungsvermerk explizite Einschraenkungen ("Verjährung ist nicht zu prüfen")?
4. Wie viel Zeit bleibt bis zur Abgabe?

## Aktuelle Rechtsprechung und Methodik
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

## Zentrale Normen
- §§ 133, 157 BGB — Auslegung von Willenserklärungen und Vertraegen: Maßstab für Sachverhaltswuerdigung
- § 195 BGB — Regelverjaehrung 3 Jahre: Zeitstrahl-Relevanz bei Klage/Mahnung/Verjährungsbeginn
- § 199 BGB — Verjährungsbeginn: Kenntnis und grob fahrlässige Unkenntnis
- § 204 BGB — Hemmung der Verjährung durch Rechtsverfolgung

## Bevor Du anfängst

Lege bereit:

- den vollständigen Sachverhalt (Aufgabentext)
- den Bearbeitungs-Vermerk (am Ende des Sachverhalts)
- einen leeren Notizbogen für Deine Skizze
- ggf. Hinweise der Lehrkraft, in welchem Semester und Modul die Aufgabe steht

## Schritt 1 — Drei-Lese-Methode

### Erste Lesung: Überblick

Lies den Sachverhalt **ohne Notizen** durch. Lass die Geschichte wirken. Frage Dich am Ende:

- Was ist hier eigentlich los?
- Wer sind die handelnden Personen?
- Welches Rechtsgebiet ist offensichtlich? (BGB-Schuldrecht? StGB-Körperverletzung? Verwaltungsbescheid?)

### Zweite Lesung: Detail

Lies langsam und unterstreiche / markiere:

- **Personen / Beteiligte** (vergib Kennbuchstaben — A, B, C, K für Kläger, B für Beklagter, T für Täter, O für Opfer)
- **Daten** (jedes Datum, das im Sachverhalt erwähnt wird)
- **Orte** (zur Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit)
- **Beträge** (zur Bestimmung von Streitwert / Schaden)
- **Verträge / Rechtsgeschäfte** (was wurde wann geschlossen?)

### Dritte Lesung: Skizze

Zeichne ein **Beziehungs-Diagramm**:

- Wer steht in welcher Beziehung zu wem?
- Welche Verträge zwischen welchen Personen?
- Wer hat wem was geschuldet / geleistet / verweigert?
- Welche Personen haben sich wann wo getroffen?

## Schritt 2 — Wesentliche und unwesentliche Tatsachen

### Wesentlich

- Erklärungen, Vereinbarungen, Handlungen, die rechtliche Folgen haben
- Daten von Erklärungen (Vertragsabschluss, Mahnung, Kündigung, Tatzeit)
- Beträge, die rechtlich relevant sind
- Identifizierbare Personen mit Rollen

### Unwesentlich (häufig)

- Beschreibende Adjektive (sympathisch, ärgerlich) ohne rechtlichen Anker
- Hintergrund-Geschichte (Was die Person im Beruf macht), außer es ist relevant
- Wetterangaben, außer bei Verkehrsdelikt
- Daten ohne rechtlichen Bezug

### Hilfsfrage

> "Wenn ich diese Tatsache weglasse — ändert sich dann das rechtliche Ergebnis?"

Wenn **nein**: vermutlich unwesentlich.
Wenn **ja oder eventuell**: wesentlich.

## Schritt 3 — Bearbeitungsvermerk verstehen

Der Bearbeitungs-Vermerk steht typisch am Ende des Sachverhalts. Lies ihn besonders sorgfältig:

### Standard-Formulierungen

- **"Beurteilen Sie die Rechtslage"**: vollständiges Gutachten, alle Ansprüche prüfen
- **"Prüfen Sie die Ansprüche des A gegen B"**: nur diese Richtung, nicht umgekehrt
- **"Bestehen Schadensersatz-Ansprüche?"**: nur Schadensersatz, nicht Erfüllung etc.
- **"Wie ist die Rechtslage in einem Schriftsatz an das Gericht zu vertreten?"**: parteiischer Standpunkt
- **"Hilfsweise / Hilfsgutachten"**: Wenn der Haupt-Ergebnis-Pfad zu einem bestimmten Ergebnis kommt, ist hilfsweise auch das andere Ergebnis zu prüfen

### Frage-Vermerke

- **"§ XYZ ist nicht zu prüfen"**: aussparen
- **"Die örtliche Zuständigkeit ist nicht zu prüfen"**: nicht subsumieren
- **"Gehen Sie davon aus, dass..."**: als feststehend annehmen

## Schritt 4 — Zeitstrahl erstellen

Bei Sachverhalten mit mehreren Zeit-Punkten:

```
T-30 Tage: Vertragsschluss A-B
T-20 Tage: Lieferung
T-15 Tage: Mängelanzeige A
T-10 Tage: Nacherfüllungs-Frist
T-7 Tage: Rücktrittserklärung A
T-0: Klage
```

Wozu? Bei Schuldrechts-Sachverhalten (Verzug, Verjährung, Fristen) hilft der Zeitstrahl enorm.

## Schritt 5 — Skizziere die rechtlichen Fragen

**Nicht** subsumieren, sondern **identifizieren**:

- Welche Anspruchs-Konstellationen gibt es?
- Welche Tatbestände kommen in Frage?
- Welche Mehrheits-Meinungen sind hier zu erwarten?
- Welche Methoden-Probleme (Auslegung, Analogie)?

## Schritt 6 — Vor-Recherche

Bevor Du anfängst zu schreiben:

- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Welche aktuellen Aufsätze in NJW, JuS, JA, JURA?

## Hilfsfragen für Deine eigene Reflexion

- Habe ich den Sachverhalt **dreimal** gelesen?
- Habe ich eine **Skizze** der Beteiligten?
- Habe ich den **Bearbeitungs-Vermerk** wortgenau verstanden?
- Habe ich einen **Zeitstrahl** (bei zeitkritischen Sachverhalten)?
- Habe ich die **rechtlichen Fragen** identifiziert (nicht gelöst)?
- Habe ich eine **Vor-Recherche** durchgeführt?

## Häufige Anfänger-Fehler

1. **Sofort subsumieren** ohne Sachverhalt zu verstehen — führt zu falschen Anspruchs-Grundlagen
2. **Bearbeitungs-Vermerk übersehen** — Stoff falsch abgegrenzt
3. **Personen-Buchstaben verwechseln** — Verwirrung beim Schreiben
4. **Datum übersehen** — Verjährungs-, Verzugs-, Fristen-Fragen falsch
5. **"Hilfsweise"-Hinweis übersehen** — wesentlicher Teil der Aufgabe nicht geprüft

## Übergang zu

Wenn Du die Aufgabenstellung erfasst hast, gehe weiter zu

- `fachgebiet-routing-zivil-oeffentlich-straf` — Welches Fachgebiet?
- `bearbeitungsplan-erstellen` — Zeitplan und Stoff-Aufteilung

## Normen und Rechtsprechung

### Kuratierte Normen-Bibliothek

- Art. 267 AEUV
- § 242 StGB
- § 24 StGB
- § 263 StGB
- § 40 VwG
- Art. 20 GG
- § 22 StGB
- Art. 5 GG
- § 74 VwG
- § 15 StGB
- § 211 StGB
- § 70 VwG

### Leitentscheidungen

- BVerfGE Band 6 Rn 32 (Lüth, Drittwirkung der Grundrechte)
- BVerwG 6 C 12.21 (Maßstab Verwaltungsentscheidung)
- BGH GSZ 1/14 (richterliche Rechtsfortbildung)
