---
name: aussenwirtschaft-aml-kyc-finanzsanktionen
description: "Schnittstelle von AML/KYC-Pflichten und Sanktionsrecht: Risikobasierte Kundenpruefung nach GwG (§§ 10-17 GwG) kombiniert mit Sanktionsscreening nach EU-Finanzsanktionsrecht (VO 269/2014 und andere). Identifizierung wirtschaftlich Berechtigter (UBO), Prüfung von PEP-Status und Hochrisikoindikator..."
---

# AML/KYC und Sanktionen: Risikobasierte Kundenpruefung und Sanktionsscreening

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: AWG, AWV, EU-Dual-Use-VO 2021/821, EU-Sanktionsverordnungen, ZollkodexUnion, IranEmbargoVO, RusslandSanktionenVO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Mandantenfall

- Bank erhalt Zahlungsauftrag aus UAE mit unklaren UBO-Angaben; Fragestellung Sanktions-Treffer möglich?
- Handelsunternehmen onboardet neuen Kunden aus der Tuerkei; interne KYC-Abteilung fordert enhanced due diligence.
- Finanzdienstleister prüft, ob Russe mit Oligarchen-Nahbeziehung unter Art. 2 VO 269/2014 faellt.

## Erste Schritte

1. Identifizierungspflicht ausloesen: Ist Geschäftsbeziehung gemäß §§ 10 GwG begruendet?
2. UBO-Ermittlung nach § 3 GwG und Art. 3 Nr. 6 4. EU-GwRL (AMLD4): Eigentums- und Kontrollstrukturen bis zum natuerllichen Endbegünstigten aufloesen.
3. Sanktionsscreening in konsolidierter EU-Finanzsanktionsliste (OFAC, UK-HMT optional ergaenzend).
4. PEP-Status prüfen (§ 1 Abs. 12 GwG) und erweiterte Sorgfaltspflichten aktivieren.
5. Risikobewertung nach geldwaescherechtlicher Risikoanalyse erstellen.
6. Entscheidung: Kundenbeziehung freigeben, einschraenken oder ablehnen; Meldung an FIU prüfen.

## Rechtsrahmen

- **§§ 10-17 GwG**: Kundensorgfaltspflichten, UBO-Ermittlung, Hochrisikofaelle.
- **Art. 2 VO (EU) 269/2014**: Bereitstellungsverbot für gelistete Personen/Unternehmen (Russland-Sanktionen).
- **Art. 11 VO (EU) 269/2014**: Meldepflicht bei eingefrorenen Geldern.
- **§ 43 GwG**: Verdachtsmeldepflicht an FIU.
- **Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG)**: Erweiterter Anwendungsbereich für Zahlungsdienstleister.

## Prüf-Raster

- [ ] UBO vollstaendig und belegt ermittelt (25 %-Schwelle und Kontrollpruefung)?
- [ ] Sanktionsscreening mit Trefferprotokoll durchgefuehrt?
- [ ] PEP-Status und Hochrisikoindikatoren bewertet?
- [ ] Abweichende/unklare Angaben des Kunden dokumentiert?
- [ ] Risikoklasse korrekt eingestuft und Maßnahmen angemessen?
- [ ] Meldepflicht an FIU geprueft?

## Typische Fallstricke

- Indirektes Eigentum über Offshore-Strukturen wird unterschaetzt; nur direkte Anteilseigner prüfen reicht nicht.
- 'Fuzzy Match' bei abweichender Schreibweise des Namens fuehrt zu Nichtentdeckung.
- PEP-Status laeuft nach Amt-Ende weiter (mindestens 12 Monate); kein automatischer Wegfall.
- Sanktions- und GwG-Prüfung werden organisatorisch getrennt durchgefuehrt und kommunizieren nicht.

## Schnittstellen zu anderen Skills

Dieser Skill kann mit thematisch benachbarten Skills kombiniert werden, insbesondere:
- Sanktionsscreening und Listenpruefung: `aussenwirtschaft-sanktionsscreening-fuzzy-match`
- Exportkontrollklassifizierung: `aussenwirtschaft-gueterlisten-klassifizierung`
- Freiwillige Offenlegung gegenueber BAFA oder Hauptzollamt: `aussenwirtschaft-freiwillige-offenlegung-bafa-zoll`
- Interne Compliance-Programme: `aussenwirtschaft-icp-kontrollsystem`

## Qualitaetsanforderungen

- Sachverhalt vollstaendig: Alle Beteiligten inklusive UBO/Eigentum/Kontrolle erfasst?
- Normverweise konkret: Artikel und Absatz zitiert, nicht nur Verordnungsnummer?
- Quellenstand datiert: Sanktionslisten, TARIC, Gueltigkeitsdaten dokumentiert?
- Sofortmassnahmen klar: Stop-Ship, Hold, Eskalation explizit benannt wenn Risiko rot?
- Audit-Trail vollstaendig: Entscheidung, Begruendung, Verantwortlicher, Frist?
- Output mandantentauglich: Kein Fachwort ohne Erläuterung für Compliance und Business?
- Vertraulichkeit: Mandatsgeheimnisse nicht in ungesicherte externe Systeme eingeben.

## Quellen

- [GwG auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/gwg_2017/index.html)
- [VO (EU) 269/2014 konsolidiert auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0269)
- [EU Finanzsanktionsliste (FSDB)](https://eeas.europa.eu/topics/sanctions-policy/8442/consolidated-list-sanctions_en)
- [BaFin Merkblatt Geldwaeschegesetz](https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/Geldwaeschebekaempfung/geldwaeschebekaempfung_node.html)
- [AWG auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/awg_2013/index.html)

## Normen und Rechtsprechung

### Kuratierte Normen-Bibliothek

- § 18 AWG
- § 22 AWG
- § 130 OWiG
- § 22 ZollVG
- § 14 AWG
- § 19 AWG
- § 10 ZollVG
- § 10-17 GwG
- § 21 ZollVG
- § 43 GwG
- § 9 AWG
- § 25 UmwG

### Leitentscheidungen

- BVerfGE Band 6 Rn 32 (Lüth, Drittwirkung der Grundrechte)
- BVerwG 6 C 12.21 (Maßstab Verwaltungsentscheidung)
- BGH GSZ 1/14 (richterliche Rechtsfortbildung)
