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name: bilingual-drafting-deutsch-englisch
description: "Drafting deutsch-englischer Vertraege in Side-by-Side- oder Stacked-Layout. Bestimmt den Anwendungsfall (true bilingual, sovereign language, courtesy translation), waehlt das Layout (Tabelle zweispaltig oder gestapelte Saetze), klaert die Sprachklausel (welche Fassung verbindlich), uebersetzt Boilerplate-Klauseln in beiden Richtungen, vermeidet False Friends (Indemnify, Reasonable, Consequential Damages, Best Efforts, Force Majeure, Severability, Schiedsklausel, Hauptleistung), waehlt Word-Tabellenformat oder gestapeltes Layout, behaelt Definitionen synchron und liefert eine Pruefcheckliste fuer Konsistenz."
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# Bilinguales Drafting Deutsch-Englisch

## Zweck

Im deutschen Wirtschaftsrecht sind bilinguale Vertraege Standard, sobald eine Partei nicht-deutschsprachig ist oder im internationalen Geschaeft taetig ist. Dieser Skill fuehrt durch die drei Hauptfragen:

1. **Anwendungsfall**: true bilingual (beide Fassungen gleichwertig), sovereign language (eine ist verbindlich), oder courtesy translation (eine ist nur informativ).
2. **Layout**: Tabelle zweispaltig (Side-by-Side) oder gestapelte Saetze (Stacked).
3. **Sprachklausel**: Welche Fassung gilt bei Widerspruch.

Er bietet Uebersetzungsvorlagen fuer alle Standardklauseln und warnt vor den False Friends, die in deutschen Anwaltsbueros regelmaessig zu falschen Uebersetzungen fuehren.

## Eingaben

- Vertragstyp und Branche
- Sprachen der Parteien (Muttersprache, Vertragsverhandlungssprache)
- Streitloesungsforum (deutsches Gericht, US-Court, ICC, DIS, neutraler dritter Staat)
- Vorgabe zur Verbindlichkeit der Fassungen
- Bestehende Vorlagen oder Mustervertraege

## Rechtlicher und methodischer Rahmen

- **Vertragssprache**: Privatautonomie. Parteien koennen frei waehlen.
- **Anwendbares Recht**: Rom I-VO. Bei B2C-Vertraegen Verbraucherschutz im Land des gewoehnlichen Aufenthalts (Art. 6 Rom I-VO).
- **§ 184 GVG**: Gerichtssprache deutscher Gerichte ist Deutsch. Bei englischen Vertraegen vor deutschen Gerichten: Uebersetzung erforderlich, Kosten regelmaessig zulasten der vorlegenden Partei. Vereinzelte Spezialkammern fuer englischsprachige Verfahren (Hamburg, Frankfurt, Stuttgart).
- **§ 293 ZPO**: Auslaendisches Recht muss bewiesen werden. Sachverstaendigengutachten regelmaessig erforderlich, Kosten 10.000 EUR aufwaerts.
- **CISG (UN-Kaufrecht)**: Bei grenzueberschreitendem Warenkauf automatisch anwendbar, soweit nicht ausgeschlossen.

## Drei Anwendungsfaelle

### True bilingual (beide Fassungen gleichwertig)

- Beide Sprachen rechtlich verbindlich.
- Bei Widerspruch: Auslegung nach Treu und Glauben (§§ 133, 157 BGB) oder vereinbarter Auslegungsregel.
- Hoechster Drafting-Aufwand: jede Aenderung in beiden Fassungen.
- Sinnvoll bei symmetrischen Partnerschaften, internationalen Joint Ventures.

**Sprachklausel:** "Dieser Vertrag ist in deutscher und englischer Sprache abgefasst. Beide Fassungen sind gleichermassen verbindlich. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den beiden Fassungen sind die Bestimmungen so auszulegen, wie sie dem gemeinsamen wirtschaftlichen Zweck am besten entsprechen. // This Agreement is executed in both German and English. Both versions shall be equally binding. In the event of a conflict between the two versions, the provisions shall be interpreted in a manner that best reflects the common commercial purpose."

### Sovereign language (eine verbindlich, eine nachrangig)

- Standard im deutschen Wirtschaftsrecht: deutsche Fassung verbindlich, englische Fassung Nachrang.
- Bei US/UK-Vertragspartnern oft umgekehrt.
- Bei Widerspruch: Vorrang der bezeichneten Fassung.
- Sinnvoll bei klarer Verhandlungsmacht oder klarem Forum.

**Sprachklausel (deutsch verbindlich):** "Dieser Vertrag ist in deutscher und englischer Sprache abgefasst. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den beiden Fassungen ist die deutsche Fassung verbindlich. // This Agreement is executed in both German and English. In the event of a conflict between the two versions, the German version shall prevail."

### Courtesy translation (eine nur informativ)

- Eine Sprache ist verbindlich, die andere wird ausschliesslich zur Information beigefuegt.
- Niedriger Drafting-Aufwand bei Aenderungen (nur die verbindliche Fassung ist relevant).
- Risiko: Uebersetzung kann irrefuehrend sein, der Mandant unterschreibt im Vertrauen auf die Uebersetzung.

**Sprachklausel:** "Dieser Vertrag ist in deutscher Sprache verbindlich. Die englische Fassung ist eine reine Hoeflichkeitsuebersetzung ohne Rechtswirkung. // This Agreement is binding in its German version. The English version is a courtesy translation only and has no legal effect."

## Layout

### Tabelle zweispaltig (Side-by-Side)

| Vorteil | Nachteil |
|---|---|
| Direkte Vergleichbarkeit | Schwierig bei langen Saetzen |
| Sauber druckbar | Word-Tabellen werden bei Track Changes unuebersichtlich |
| Klarheit fuer Verhandler | Hoeher Drafting-Aufwand |

Wenn Side-by-Side, dann zweispaltige Tabelle ohne Rahmen, Spaltenbreite 50:50, Zeilenabstand 1,15. Jeder Vertragsabschnitt ist eine Tabellenzeile.

### Gestapelt (Stacked)

| Vorteil | Nachteil |
|---|---|
| Track Changes-tauglich | Lesefluss zweimal unterbrochen |
| Word-natives Layout | Manchmal Verlust der Querreferenz |
| Standard bei DIS, ICC | Lange Vertraege werden unhandlich |

Gestapelt: Jeder Abschnitt erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Englische Abschnitte in kursivem Schnitt oder mit "EN:"-Prefix.

**Empfehlung:** Side-by-Side bei kurzen Vertraegen (bis 30 Seiten) und symmetrischen Partnerschaften. Stacked bei langen Vertraegen (M&A SPAs, Lizenzvertraege mit vielen Anlagen).

## False Friends Deutsch-Englisch

Diese Begriffe werden im deutschen Anwaltsbuero regelmaessig falsch uebersetzt. Pruefen Sie jede Klausel.

| Englisch | Falsche dt. Uebersetzung | Korrekte dt. Uebersetzung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| **Indemnify** | Versichern | Freistellen | Konzept des § 257 BGB, weiter als dt. Schadensersatz |
| **Hold harmless** | Schadlos halten | Freistellen | Synonym zu indemnify in UK/US-Verstaendnis |
| **Reasonable** | Vernuenftig | Angemessen / verkehrsueblich | Common-Law-Standard, kein deutscher Begriff |
| **Best efforts** | Beste Bemuehungen | Aeusserste / hoechstmoegliche Anstrengungen | Im US-Recht haerter als "reasonable efforts" |
| **Reasonable best efforts** | (oft falsch uebersetzt) | Angemessene Anstrengungen | Verhandlungsformel zwischen "best" und "commercially reasonable" |
| **Consequential damages** | Folgeschaeden | Indirekte oder mittelbare Schaeden | Begriff im US-Recht enger als dt. mittelbarer Schaden |
| **Punitive damages** | Strafzahlungen | Strafschadensersatz | Im dt. Recht unbekannt, ordre public-relevant (§ 328 ZPO) |
| **Liquidated damages** | Verfluessigte Schaeden | Pauschalierter Schadensersatz | Naeher an § 309 Nr. 5 BGB als an Vertragsstrafe |
| **Penalty** | Strafe | Vertragsstrafe | Im US-Recht oft unzulaessig, in dt. Recht Pflicht zur Begrenzung |
| **Severability** | Trennbarkeit | Salvatorische Klausel | Erfordert in dt. Recht zwingend salvatorische Klausel im Vertrag |
| **Entire agreement** | Gesamte Vereinbarung | Vollstaendigkeitsklausel / Schlussklausel | Im dt. Recht: Pruefung an § 305b BGB |
| **No waiver** | Kein Verzicht | Kein Verzicht durch Untaetigkeit | Im dt. Recht: § 242 BGB Verwirkung trotzdem moeglich |
| **Force majeure** | Hoehere Gewalt | Hoehere Gewalt | OK, aber Reichweite oft anders verstanden |
| **Counterparts** | Gegenstuecke | Mehrere Ausfertigungen | Standardklausel bei US/UK-Vertraegen |
| **Notice** | Mitteilung | Zugang einer rechtsverbindlichen Erklaerung | § 130 BGB Zugang ist enger |
| **Arbitration** | Schiedsverfahren | Schiedsverfahren | OK, aber Schiedsfaehigkeit pruefen § 1030 ZPO |
| **Setoff** | Aufrechnung | Aufrechnung | Im US-Recht weiter, im dt. Recht § 387 BGB |
| **Assignment** | Abtretung | Forderungsabtretung oder Vertragsuebernahme | Im US-Recht oft beides, im dt. Recht § 398 ff. BGB vs. § 414 ff. BGB |
| **Subsidiary** | Tochter | Tochtergesellschaft / Beherrschtes Unternehmen | Pruefung an § 17 AktG |
| **Affiliate** | Affiliierter | Verbundenes Unternehmen | § 15 AktG verwenden |
| **Material adverse change (MAC)** | Materielle nachteilige Veraenderung | Wesentliche nachteilige Veraenderung | Kein dt. Standardbegriff, im Vertrag zu definieren |
| **Representations and warranties** | Erklaerungen und Gewaehrleistungen | Garantien | Im dt. Recht selbststaendige Garantien § 311 BGB |
| **Conditions precedent** | Vorhergehende Bedingungen | Aufschiebende Bedingungen (Closing Conditions) | § 158 BGB |
| **Conditions subsequent** | Folgende Bedingungen | Aufloesende Bedingungen | § 158 II BGB |

## Synchron halten

- Definitionen-Verzeichnis: parallel pflegen, gleiche Nummerierung in beiden Sprachen.
- Querverweise: in beiden Sprachen, gleiche Paragraphennummer.
- Anlagen: gleiche Bezeichnung (Anlage 1 / Schedule 1).
- Bei Aenderung einer Klausel: andere Sprache sofort mitziehen. Niemals nur eine Sprache bearbeiten.
- Pruefung am Ende: Word-Vergleich beider Sprachen (manuell) auf Synchronitaet.

## Ablauf / Checkliste

1. Anwendungsfall klaeren (true bilingual / sovereign / courtesy).
2. Layout entscheiden (Side-by-Side oder Stacked).
3. Sprachklausel formulieren (s. o.).
4. Definitionenverzeichnis aufbauen, beide Sprachen synchron.
5. Vertrag in der verbindlichen Sprache zuerst draften.
6. Uebersetzung erstellen, dabei jede der oben aufgefuehrten False Friends pruefen.
7. Konsistenz-Pruefung: jeder definierte Begriff in beiden Sprachen identisch.
8. Forum-Pruefung: Kosten und Risiken bei Streitfall im vereinbarten Gericht (§ 184 GVG, § 293 ZPO).
9. Versand mit beiden Fassungen im selben Word-Dokument.

## Ausgabeformat

- **Bilingualer Vertragsentwurf** als .docx (Side-by-Side oder Stacked je nach Wahl).
- **Definitionsverzeichnis** zweispaltig.
- **Memo zu Sprachklausel und Forum** fuer den Mandanten.

## Beispiel: Sprachklausel mit Forum-Hinweis

> ### § 28 Sprache, Anwendbares Recht, Gerichtsstand
> 
> (1) Dieser Vertrag ist in deutscher und englischer Sprache abgefasst. Die deutsche Fassung ist verbindlich. Die englische Fassung dient ausschliesslich der Information.
> 
> (2) Auf diesen Vertrag findet ausschliesslich das Recht der Bundesrepublik Deutschland Anwendung. Die Anwendung des UN-Kaufrechts (CISG) wird ausgeschlossen.
> 
> (3) Ausschliesslicher Gerichtsstand fuer alle Streitigkeiten aus oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag ist Frankfurt am Main. Die Parteien koennen davon abweichend ein Schiedsverfahren nach der Schiedsordnung der DIS (Deutsche Institution fuer Schiedsgerichtsbarkeit) vereinbaren; Schiedsort ist in diesem Fall Frankfurt am Main, Schiedssprache Deutsch.
> 
> ### Section 28 Language, Governing Law, Jurisdiction
> 
> (1) This Agreement is executed in both German and English. The German version shall be binding. The English version is for information only.
> 
> (2) This Agreement shall be exclusively governed by the laws of the Federal Republic of Germany. The application of the UN Convention on Contracts for the International Sale of Goods (CISG) is hereby excluded.
> 
> (3) The exclusive place of jurisdiction for all disputes arising out of or in connection with this Agreement shall be Frankfurt am Main, Germany. The parties may agree on arbitration pursuant to the rules of the DIS (German Arbitration Institute); in such case, the seat of arbitration shall be Frankfurt am Main, Germany, and the language of arbitration shall be German.

## Querverweise

- `boilerplate-klauseln-katalog` fuer Schlussbestimmungen
- `klausel-bibliothek-katalog` fuer bilinguale Klauselbausteine
- `dokumentarchitektur-vertrag-und-schriftsatz`
- `word-dokument-finish-und-layout` für die Endkontrolle von Tabellen, Seitenumbrüchen und Versandfassung

## Quellen (Stand 05/2026)

- Art. 3, 6 Rom I-VO; §§ 133, 157, 158, 257, 305b, 309 Nr. 5, 387, 398, 414 BGB; §§ 17 AktG, 184 GVG, 293 ZPO, 328 ZPO, 1030 ZPO; § 15 AktG; CISG (UN-Kaufrechtsuebereinkommen).
- Zitierweise: `references/zitierweise.md`.
