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name: drohende-zahlungsunfaehigkeit
description: "Drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO feststellen: Berater oder GF prüft ob StaRUG-Zugangsberechtigung besteht. Normen: § 18 InsO (drohende ZU), § 17 InsO (aktuelle ZU), § 19 InsO (Überschuldung), § 1 StaRUG (Zugangsberechtigung). Prüfraster: Prognosezeitraum 24 Monate, Wahrscheinlichkeitsm..."
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# Drohende Zahlungsunfähigkeit — § 18 InsO

## Arbeitsbereich

Drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO feststellen: Berater oder GF prüft ob StaRUG-Zugangsberechtigung besteht. Normen: § 18 InsO (drohende ZU), § 17 InsO (aktuelle ZU), § 19 InsO (Überschuldung), § 1 StaRUG (Zugangsberechtigung). Prüfraster: Prognosezeitraum 24 Monate, Wahrscheinlichkeitsmassstab ueberwiegend wahrscheinlich, Abgrenzung zu § 17 InsO. Output Prüf-Memo drohende ZU, StaRUG-Zugangsberechtigung-Nachweis. Abgrenzung: Fortbestehensprognose (§ 19 InsO) siehe fortbestehensprognose-zweistufig; Insolvenzantragspflicht siehe insolvenzantragspflicht-paragraph-15a-inso-und-drei-wochen-frist. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output.

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: StaRUG; § 1 StaRUG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Spezialwissen

§ 18 InsO ist das Tor zum StaRUG. Nur wer drohende Zahlungsunfähigkeit nachweist — nicht mehr, nicht weniger — erhält Zugang zu den modernen Sanierungswerkzeugen des Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmens. Wer zu früh kommt (noch keine drohende ZU), kann keinen Antrag stellen. Wer zu spät kommt (eingetretene ZU oder Überschuldung), hat die InsO-Pflicht ausgelöst. Das Timing ist alles — und das Timing hängt von einer validen 24-Monats-Liquiditätsplanung ab.

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## Rechtsgrundlagen

- § 18 InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit; Prognosezeitraum 24 Monate)
- § 17 InsO (Zahlungsunfähigkeit)
- § 19 InsO (Überschuldung; Prognosezeitraum 12 Monate seit 01.01.2024)
- § 29 Abs. 2 StaRUG (drohende ZU als Zugangsvoraussetzung)
- § 15a InsO (Insolvenzantragspflicht bei eingetretener ZU oder Überschuldung)
- **BVerfG 1 BvR 418/25 vom 28.02.2025** (VARTA) — bestätigt mittelbar die Tragfähigkeit der StaRUG-Eintrittsschwelle nach § 18 InsO bei börsennotierten Schuldnerinnen. <https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/02/rk20250228_1bvr041825.html>
- IDW S 11 Tz. 23 ff. (Liquiditätsstatus und -planung)
- IDW S 11 Tz. 50 ff. (drohende Zahlungsunfähigkeit)

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## Pflichten

### 1. Tatbestand der drohenden Zahlungsunfähigkeit

§ 18 Abs. 2 InsO: "Der Schuldner droht zahlungsunfähig zu werden, wenn er voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Zahlungspflichten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen."

**Drei Kernelemente:**

1. **Prognosezeitraum 24 Monate** (§ 18 Abs. 2 S. 2 InsO seit SanInsFoG 01.01.2021). Konkrete BGH-Linie zur Methodik der Liquiditätsprognose vor Ausgabe über dejure.org / openjur.de verifizieren.

2. **Wahrscheinlichkeitsmaßstab:** "überwiegend wahrscheinlich" — mehr als 50 % Wahrscheinlichkeit, dass die Zahlungsfähigkeit nicht aufrechterhalten werden kann. Kein Gewissheitsmaßstab erforderlich.

3. **Fälligkeitsbezug:** Es kommt auf die fälligen Zahlungen an, nicht auf alle bestehenden Verbindlichkeiten. Langfristige Schulden, die in den 24 Monaten nicht fällig werden, bleiben außen vor.

### 2. Abgrenzung zu § 17 InsO — Eingetretene Zahlungsunfähigkeit

| Merkmal | § 17 InsO | § 18 InsO |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Gegenwart | Zukunft (24 Monate) |
| Wahrscheinlichkeit | Eingetreten (Ist-Zustand) | Überwiegend wahrscheinlich |
| Wesentlichkeitsschwelle | Fälligkeitsrückstand ≥ 10 % der Gesamtverbindlichkeiten (BGH) | Keine feste Schwelle |
| InsO-Antragspflicht | Ja (§ 15a InsO) | Nein (nur Antragsrecht) |
| StaRUG-Zugang | Kein Zugang mehr | Zugang möglich |

**Kritische Praxisfrage:** Ist die Liquiditätslücke noch "vorübergehend" (dann keine ZU) oder nachhaltig (dann § 17 InsO)?
BGH-Maßstab: Rückstand < 10 % der Gesamtverbindlichkeiten = Vermutung für Vorübergehend; > 10 % = Vermutung für ZU.

### 3. Abgrenzung zu § 19 InsO — Überschuldung

| Merkmal | § 19 InsO | § 18 InsO |
|---|---|---|
| Prüfungsmaßstab | Bilanzielle Überschuldung + Fortführungsprognose | Liquiditätsorientiert |
| Fortführungsprognose | Zweistufig (IDW S 11) | Direkt liquiditätsbezogen |
| InsO-Antragspflicht | Ja (§ 15a InsO) | Nein |
| Hauptrelevanz | Verlustunternehmen, negatives EK | Liquiditätsgefährdete Unternehmen |

Ein Unternehmen kann bilanziell überschuldet und gleichzeitig noch zahlungsfähig sein (positiver Cashflow aus lfd. Geschäft). In diesem Fall droht § 19 InsO, aber noch keine § 18 InsO drohende ZU.

### 4. § 18 InsO als Zugangstor zum StaRUG

§ 29 Abs. 2 StaRUG setzt für die Inanspruchnahme des Restrukturierungsrahmens voraus:

- Drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO **muss vorliegen**
- Eingetretene Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung: Zugang zum StaRUG **ist versperrt**
- Ausnahme: § 29 Abs. 4 StaRUG — gerichtliche Bestätigung des Plans ist auch bei eingetretener ZU möglich, wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind

**Konsequenz für die Praxis:** Wer früh genug erkennt, hat das volle StaRUG-Arsenal. Wer zu lange wartet, muss mit InsO-Instrumenten arbeiten — mit allen Nachteilen für Reputation, Gläubigerbeziehungen und Betrieb.

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## Vorgehen

### Schritt 1: Liquiditätsstatus erstellen (IDW S 11 Tz. 23)

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LIQUIDITÄTSSTATUS — STICHTAG [TT.MM.JJJJ]

VORHANDENE LIQUIDITÄT
 Kassenbestand: EUR [___]
 Bankguthaben: EUR [___]
 Verfügbare Kreditlinien: EUR [___]
 = Verfügbare Liquidität: EUR [___]

ABZUDECKENDE ZAHLUNGSPFLICHTEN
 Fällige Verbindlichkeiten Stichtag: EUR [___]
 Davon: Lieferanten: EUR [___]
 Davon: Steuern/SV: EUR [___]
 Davon: Banken (Zinsen/Tilgung): EUR [___]

SALDO: EUR [___]
 → Positiv: Zahlungsfähig (Stichtag)
 → Negativ: Zahlungsunfähig (Stichtag) → § 17 InsO prüfen
```

### Schritt 2: Liquiditätsprognose 24 Monate (§ 18 InsO-Test)

Auf Basis der rollierenden Liquiditätsplanung (24 Monate):

1. **Identifizierung kritischer Liquiditätsengpässe** — in welchem Monat droht erstmals Unterdeckung?
2. **Wahrscheinlichkeitsbewertung** — ist die Unterdeckung überwiegend wahrscheinlich (> 50 %)?
3. **Sensitivitätsanalyse** — unter welchen Szenarien (Base/Bear) tritt die Unterdeckung auf?
4. **Gegenmaßnahmen-Check** — welche Maßnahmen würden die Unterdeckung beseitigen?

### Schritt 3: StaRUG-Zugang prüfen

Wenn § 18 InsO bejaht:

- [ ] Ist noch kein Insolvenzantrag gestellt?
- [ ] Liegt noch keine eingetretene ZU (§ 17 InsO) vor?
- [ ] Liegt noch keine Überschuldung (§ 19 InsO) vor (oder: liegt positive FBP vor)?
- [ ] Hat das Unternehmen Gläubiger, mit denen eine Einigung sinnvoll ist?

Wenn alle Punkte bejaht: StaRUG-Verfahren eröffnen. Berater einschalten.

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## Templates

### Muster: § 18 InsO-Prüfvermerk für GF-Akte

```
PRÜFVERMERK — DROHENDE ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT § 18 InsO

Gesellschaft: [Firma GmbH]
Datum der Prüfung: [TT.MM.JJJJ]
Erstellt von: [Name, Funktion]

1. LIQUIDITÄTSSTATUS STICHTAG
 Ergebnis: [zahlungsfähig / eingeschränkt zahlungsfähig / zahlungsunfähig]
 Saldo: EUR [+/-]

2. PROGNOSE 24 MONATE
 Planungsgrundlage: Liquiditätsplan vom [Datum], freigegeben von [GF-Name]
 Prognosezeitraum: [Datum] bis [Datum]
 Kritischer Engpass identifiziert: [ja / nein]
 Wenn ja: Zeitpunkt [Monat/JJJJ], Höhe EUR [___]

3. WAHRSCHEINLICHKEITSBEWERTUNG
 Wahrscheinlichkeit der Unterdeckung: [< 50 % / > 50 %]
 → Drohende ZU nach § 18 InsO: [ja / nein]
 Begründung: [___]

4. FOLGERUNG
 [ ] Keine drohende ZU — kein StaRUG-Handlungsbedarf
 [ ] Drohende ZU — StaRUG-Zugang prüfen
 [ ] Eingetretene ZU — § 15a InsO-Frist läuft

Unterschrift GF: ___________________
Hinweis: Dieser Prüfvermerk ersetzt keine rechtliche Beratung.
```

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## Fallstricke

1. **Planungshorizont zu kurz** — wer nur zwölf statt 24 Monate plant, riskiert, die drohende ZU zu spät zu erkennen und den StaRUG-Zugang zu verlieren.

2. **Wahrscheinlichkeitsmaßstab falsch angewendet** — "überwiegend wahrscheinlich" bedeutet nicht Sicherheit. Wer erst bei Sicherheit handelt, ist regelmäßig zu spät.

3. **Verwechslung drohende ZU mit eingetretener ZU** — bei eingetretener ZU ist der StaRUG-Zugang gesperrt; die drei Wochen nach § 15a InsO laufen. Diese Grenze muss präzise bestimmt werden.

4. **Kreditlinien als sichere Liquidität eingerechnet** — eine Kreditlinie, die jederzeit kündbar oder bereits gezogen ist, ist keine belastbare Liquiditätsreserve für die Prognose.

5. **Keine externe Validierung** — in strittigen Fällen (z.B. Grenzbereich drohende/eingetretene ZU) ist ein IDW S 11-Gutachten unumgänglich. Eigeneinschätzung der GF allein genügt nicht.

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## Querverweise

- → `fortbestehensprognose-zweistufig` — Verbindung zwischen § 18 und § 19 InsO
- → `rollierende-liquiditaetsplanung-24-monate-template` — Planungsgrundlage
- → `kennzahlenset-und-ampelsystem-starug-konform` — Liquiditätsreichweite als Schlüssel-KPI
- → `insolvenzantragspflicht-paragraph-15a-inso-und-drei-wochen-frist` — Triggerlogik § 15a InsO
- → `restrukturierungsplan-architektur-paragraph-7ff-starug` — StaRUG nach § 18 InsO

## Triage — Erste Einordnung

Bevor losgelegt wird, klaere:
1. **Krisenstadium?** Ertragskrise (EBIT negativ), Liquiditaetskrise (Cashflow negativ) oder akute Insolvenznaehe (ZU/Ueberschuldung)?
2. **Insolvenzgrund?** § 17 InsO (ZU), § 18 InsO (drohende ZU), § 19 InsO (Ueberschuldung)?
3. **Fristen?** Antragspflicht § 15a InsO: 3 Wochen (ZU), 6 Wochen (Ueberschuldung).
4. **Sanierungs-Pfad?** StaRUG (drohende ZU), Schutzschirm, Eigenverwaltung oder Regelverfahren?
