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name: erklaerungsbewusstsein-potentielles
description: "Klausurfall zu Erklärungsbewusstsein und potentiellem Erklärungsbewusstsein: Mindestvoraussetzung des Willenserklärungstatbestands, h.M. und Mindermeinung zum potentiellen Bewusstsein, Trierer Weinversteigerungsfall und Konsequenzen für Anfechtung."
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# Erklärungsbewusstsein und Potentielles Bewusstsein — Willenserklärung

## Mandantenfall

- Mandant hat versehentlich auf einer Auktion die Hand gehoben und ein Gebot abgegeben — liegt überhaupt eine Willenserklärung vor?
- Klausurkonstellation: Trierer Weinversteigerungsfall nachbauen — fehlendes Erklärungsbewusstsein als Klausurproblem.
- Student fragt nach der h.M. zum potentiellen Erklärungsbewusstsein und dessen Konsequenzen.

## Erste Schritte

1. Tatbestand der Willenserklärung prüfen: objektiver Tatbestand (Erklärungszeichen) vorhanden?
2. Subjektiver Tatbestand: Handlungswille, Erklärungsbewusstsein, Geschäftswille.
3. Fehlendes Erklärungsbewusstsein: Hat der Erklärende gewusst, dass er eine rechtlich erhebliche Erklärung abgibt?
4. Potentielles Erklärungsbewusstsein (h.M.): Hat er es bei pflichtgemäßer Sorgfalt wissen können?
5. Rechtsfolge bei potentiellem Bewusstsein: Willenserklärung liegt vor, aber Anfechtung möglich.
6. Mindermeinung: Fehlendes Bewusstsein = keine Willenserklärung, § 122 BGB analog.

## Rechtsrahmen

- §§ 116 ff. BGB: Allgemeine Voraussetzungen der Willenserklärung.
- § 119 Abs. 1 BGB: Anfechtung bei Irrtum — auch anwendbar bei fehlendem Erklärungsbewusstsein nach h.M.
- § 122 BGB: Vertrauensschadensersatz nach Anfechtung.
- § 242 BGB: Treu und Glauben — Empfänger verdient Schutz, wenn er auf Erklärung vertrauen durfte.
- § 130 BGB: Zugang und Empfängerhorizont als Grundlage für Vertrauensschutz.

## Prüfraster

1. Objektiver Tatbestand: Liegt ein Zeichen vor, das nach Verkehrsauffassung als Erklärung gilt?
2. Handlungswille: Hat der Erklärende die Handlung willentlich vorgenommen?
3. Erklärungsbewusstsein: Wusste er, dass er eine rechtlich erhebliche Erklärung abgibt?
4. Fehlendes Erklärungsbewusstsein — potentielles Bewusstsein nach h.M. bejaht?
5. Hat er es bei zumutbarer Sorgfalt wissen können? — dann WE vorhanden, aber anfechtbar.
6. Anfechtung nach § 119 Abs. 1 BGB: unverzüglich, Vertrauensschadensersatz nach § 122 BGB.
7. Mindermeinung: Keine WE, aber § 122 BGB analog zum Schutz des Empfängers.

## Typische Fallstricke

- Fehlendes Erklärungsbewusstsein ist nicht mit fehlendem Geschäftswillen identisch.
- h.M. zum potentiellen Bewusstsein führt zu Willenserklärung trotz Unwissenheit — wichtiger Examenpunkt.
- Anfechtung beseitigt die Willenserklärung ex tunc — aber Vertrauensschaden bleibt.
- Mindermeinung (keine WE) schützt den Erklärenden stärker, aber belastet Rechtsverkehr.

## Quellen

- [§ 116 BGB — gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__116.html)
- [§ 119 BGB — gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__119.html)
- [§ 122 BGB — gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__122.html)
- [dejure.org § 119 BGB](https://dejure.org/gesetze/BGB/119.html)
- [§ 242 BGB — gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__242.html)

## Vertiefung

### Streit um das Erklärungsbewusstsein

Die herrschende Meinung verlangt nur potentielles Erklärungsbewusstsein: Es genügt, wenn der
Erklärende bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte erkennen können, dass sein
Verhalten als Willenserklärung aufgefasst werden könnte (BGH NJW 1984/2279 — Trierer Weinversteigerung).

Die Mindermeinung verlangt aktuelles Erklärungsbewusstsein und gibt dem Erklärenden ein
Anfechtungsrecht, wenn er ohne Erklärungsbewusstsein gehandelt hat.

### Praktische Konsequenzen

Bei versehentlichem Nicken, unbewusstem Bieten oder automatisiertem Klicken: Nach h.M. kommt
eine Willenserklärung zustande, wenn potentielles Bewusstsein vorliegt. Der Erklärende haftet
nach § 122 BGB, wenn er anficht.

### Klausur-Checkliste Erklärungsbewusstsein

- Handlungswille vorhanden (Erklärende hat bewusst gehandelt)?
- Aktuelles Erklärungsbewusstsein: Wusste Erklärende, dass er rechtserheblich handelt?
- Potentielles Bewusstsein: Hätte Erklärende bei Sorgfalt erkennen können?
- Rechtsfolge: Willenserklärung wirksam — Anfechtung nach § 119 Abs. 1 BGB möglich?
- § 122 BGB-Haftung bei Anfechtung wegen fehlendem Erklärungsbewusstsein?
