---
name: eu-rechtsgeschichte-fuer-deutsche-juristen
description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Europaeisierung des Rechts aus historischer Perspektive. EGKS 1951, EWG 1957, EG-Vertrag, Maastricht 1992, Lissabon 2007 und Einfluss des Europarechts auf deutsche Rechtsordnung im Deutsche Rechtsgeschichte."
---

# EU-Rechtsgeschichte für deutsche Juristen

## Historische Quellenanker

Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt:

- `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker.
- `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab.
- `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts.
- `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht.
- `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten über Fortgeltung.
- `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang.
- `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen.
- `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen.
- `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz.
- `§ 3 VermG` — Rückübertragung.

Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis.
- Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Worum es geht

Die europaeische Rechtsgeschichte beginnt für Deutschland mit dem EGKS-Vertrag von 1951 (BGBl. II 1952, 447), dem EWG-Vertrag und EURATOM von 1957 (BGBl. II 1957, 753). Die unmittelbare Wirkung des Europarechts wurde durch den EuGH 1963 (van Gend en Loos) und die Vorranglehre 1964 (Costa/ENEL) festgelegt. Das BVerfG entwickelte seine Solange-Rechtsprechung (Solange I 1974, BVerfGE 37, 271; Solange II 1986, BVerfGE 73, 339). Maastricht 1992 schuf die EU; das Lissaboner Reformvertrag 2007 (BGBl. II 2008, 1039) brachte die Charta der Grundrechte in Kraft.

## Kernnormen / Kernquellen

- **EGKS-Vertrag 1951 (BGBl. II 1952, 447)**: Montan-Union, erster supranationaler Vertrag
- **EWG-Vertrag 1957 (BGBl. II 1957, 753)**: Roemische Verträge, Grundlage des Binnenmarkts
- **Maastricht-Vertrag 1992 (BGBl. II 1992, 1253)**: Unionsgruendung, drei Saeulen
- **Lissabon-Vertrag 2007 (BGBl. II 2008, 1039)**: AEUV, EUV, GRC rechtsverbindlich
- **EuGH Rs. 26/62 van Gend en Loos (1963)**: Unmittelbare Wirkung
- **EuGH Rs. 6/64 Costa/ENEL (1964)**: Vorrang des Europarechts

## Akteure und Institutionen

- **Walter Hallstein** (1901-1982): Erster Kommissionspraesident, Vorrangtheoretiker
- **EuGH Luxemburg**: Praegend für europaeische Rechtsordnung seit 1952
- **BVerfG**: Solange-Linie und Identitaetskontrolle
- **Konrad Adenauer** und **Jean Monnet**: Politische Architekten der europaeischen Integration

## Typische Streitfragen / Forschungsfragen

1. War die Vorranglehre des EuGH vertraglich gedeckt oder richterliche Rechtsfortbildung?
2. Solange I/II: Hat das BVerfG den Primat des Europarechts akzeptiert oder nur suspendiert?
3. BVerfGE 89, 155 (Maastricht): Demos-These und demokratische Legitimation der EU
4. BVerfGE 123, 267 (Lissabon): Souveraenitat und Integrationsgrenze des GG
5. PSPP-Urteil 2020 (BVerfGE 154, 17): Ultra-vires-Kontrolle und EZB

## Methodik

- Vertragstexte: eur-lex.europa.eu (konsolidierte Fassungen)
- EuGH: curia.europa.eu für vollstaendige Urteile
- BVerfGE: bverfg.de
- BGBl. II für Zustimmungsgesetze: gesetze-im-internet.de
