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name: fachanwalt-vergaberecht-freiberufliche-leistungen-hoai
description: "Vergabe freiberuflicher Leistungen (Architekten, Ingenieure, Rechtsanwaelte, Wirtschaftspruefer): Auftraggeber will HOAI- und vergaberechtskonform vergeben. Normen: § 50 VgV (Freiberufliche Leistungen), §§ 73 ff. VgV (Planungswettbewerb), HOAI 2021 (nach EuGH C-377/17 BGH VII ZR 174/19 als Orientierung), RPW 2013. Pruefraster: Verfahrenswahl Verhandlungsverfahren mit/ohne TW, Honorar als Wertungskriterium, Mindest- und Hoechstsaetze nach EuGH-Entscheidung, Planungswettbewerb RPW. Output Verfahrensentwurf, Honorar-Wertungsmodul. Abgrenzung: Wertung siehe fachanwalt-vergaberecht-zuschlagskriterien-wertungsschema."
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# Freiberufliche Leistungen (§ 50 VgV)

## Aufgabe
Vergabe von Architekten-, Ingenieur-, Rechts-, Wirtschaftspruefer- und sonstigen freiberuflichen Leistungen vergaberechts- und honorarrechtskonform aufsetzen oder pruefen. Schluesselfrage: Welches Verfahren, wie Honorar in der Wertung beruecksichtigen?

## Kaltstart
1. Leistung freiberuflich i. S. § 18 EStG?
2. Schwellenwert oberschwellig (Liefer-/Dienstleistung EUR 216000 Kommunen / EUR 140000 Bund ab 01.01.2026)?
3. Planungsleistung mit HOAI-Bezug (Architekt, Ingenieur)?
4. Planungswettbewerb sinnvoll (Architektur, Stadtplanung)?
5. Vergabesperre, fruehere Mandanten/Auftraggeber-Beziehungen, Interessenkonflikte (§§ 6 ff. VgV)?

## Verfahrenswahl
### Verhandlungsverfahren mit TW (Regel) § 50 VgV
Freiberufliche Leistungen sind regelmaessig nicht eindeutig und erschoepfend beschreibbar, daher Verhandlungsverfahren mit TW zulaessig. Voraussetzung § 14 Abs. 4 Nr. 5 VgV.

### Planungswettbewerb § 78 ff. VgV
Anonymisiertes Wettbewerbsverfahren mit Jury (RPW 2013). Anschluss-Vergabe an Sieger ueber Verhandlungsverfahren ohne TW (§ 14 Abs. 4 Nr. 8 VgV) zulaessig.

### Konzeptvergabe
Loesungsorientierte Vergabe ohne klassisches Leistungsverzeichnis; Eignung und Konzept werden gemeinsam bewertet.

## HOAI 2021 und EuGH/BGH-Linie
- EuGH C-377/17 Kommission/Deutschland (04.07.2019): Mindest- und Hoechstsaetze HOAI alte Fassung unionsrechtswidrig.
- BGH VII ZR 174/19 (02.06.2022): HOAI-Saetze im Bestand-Inland-Verhaeltnis nicht zwingend.
- HOAI 2021: Orientierungshilfe, kein zwingender Mindestpreis; freie Honorarvereinbarung moeglich.
- Vergabepraxis: Honorar als Wertungskriterium zulaessig und ueblich.

## Honorar als Wertungskriterium
- Grundsatz: zulaessig, aber nicht alleiniges Kriterium (qualitaetsabhaengige Leistung).
- Typische Gewichtung: 20-40 Prozent Honorar, 60-80 Prozent Qualitaet (Konzept, Team, Referenzen).
- Untergrenze: kein Preisdumping (§ 60 VgV Pruefung ungewoehnlich niedriger Angebote).

## Planungswettbewerb RPW 2013
- Anonymitaet bis Juryentscheidung.
- Preisgericht mit Mehrheit Fachleute.
- Preisgeld nach RPW-Tabellen.
- Direkter Anschluss an Sieger im Verhandlungsverfahren ohne TW (§ 14 Abs. 4 Nr. 8 VgV) zulaessig, sofern in Auslobung angekuendigt.

## Typische Fehler
- Honorar als einziges Kriterium (Qualitaetsverlust + EuGH-konformes Wertungsmodell verletzt).
- HOAI-Mindestsatz als Mindestpreis ausgeschrieben (unzulaessig nach EuGH).
- Planungswettbewerb ohne anonyme Phase.
- Bieterkreis im Verhandlungsverfahren zu eng (Mindestens 3 Bewerber).

## Output
- Verfahrensentwurf freiberufliche Leistung.
- Honorar-Wertungsmodul (Formel, Gewichtung, Pruefung niedriger Honorare).
- RPW-Wettbewerbs-Auslobungs-Geruest.

## Quellenregel
EuGH C-377/17 und BGH VII ZR 174/19 ueber curia.europa.eu und bundesgerichtshof.de verifizieren; HOAI 2021 i. d. F. der aktuellen Verordnung pruefen.
