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name: fachanwalt-vergaberecht-zuschlagskriterien-wertungsschema
description: "Zuschlagskriterien und Wertungsschema im Vergabeverfahren ausarbeiten und angreifen: Auftraggeber will rechtsfeste Wertungsmatrix; Bieter will mangelhafte Wertung ruegen. Normen: § 127 GWB (Zuschlag), § 58 VgV (Wertung), § 31 SektVO, § 16 KonzVgV, VOB-A § 16d. Pruefraster: Auftragsbezug, Diskriminierungsverbot, Transparenz, Gewichtung, Unterkriterien, Punktevergabe, Preis-Leistungs-Relation, Lebenszykluskosten § 59 VgV. Output Wertungsmatrix-Entwurf, Pruefvermerk Wertungsruege. Abgrenzung: Eignungspruefung siehe fachanwalt-vergaberecht-eignungspruefung; Ruege siehe fachanwalt-vergaberecht-ruege-vor-zuschlag."
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# Zuschlagskriterien und Wertungsschema

## Aufgabe
Erstelle oder pruefe ein vergaberechtsfestes Wertungsschema oder bereite eine Wertungsruege vor. Output je nach Rolle: Wertungsmatrix mit Begruendungstext fuer Auftraggeber, Pruefvermerk und Ruegeschriftsatz-Modul fuer Bieter.

## Kaltstart
1. Auftraggeber oder Bieter?
2. Lieferung, Dienstleistung, Bau, Konzession?
3. Schwellenwert ueberschritten? (Oberschwelle = GWB/VgV/SektVO/KonzVgV; Unterschwelle = UVgO/VOB-A Abschn. 1)
4. Welche Kriterien liegen bereits in der Bekanntmachung/Auftragsunterlagen?
5. Wertungsmethode bekannt (einfache Punktvergabe, gewichtete Nutzwertanalyse, Preis-Leistungs-Quotient, UFAB)?
6. Ist Zuschlag bereits erteilt? (Dann nur noch Schadensersatzpfad)

## Pruefraster Wertungskriterien
### 1. Auftragsbezug § 127 Abs. 3 GWB
Kriterium muss mit dem Auftragsgegenstand in Verbindung stehen. Soziale, oekologische, innovative Aspekte sind zulaessig, wenn auftragsbezogen.

### 2. Diskriminierungsverbot § 97 Abs. 2 GWB
Keine versteckte Bieterauswahl ueber technische Spezifikationen oder Referenzen, die nur ein bestimmter Bieter erfuellen kann.

### 3. Transparenz § 127 Abs. 5 GWB
Kriterien und Gewichtung in Bekanntmachung oder Auftragsunterlagen. Unterkriterien und Gewichtung muessen spaetestens mit Aufforderung zur Angebotsabgabe offengelegt sein (EuGH C-532/06 Lianakis; OLG Duesseldorf VII-Verg 39/15).

### 4. Gewichtung
Prozentuale Gewichtung oder Bandbreite zulaessig. Reine Verbalbewertung ohne Gewichtung ist regelmaessig vergaberechtswidrig (BGH X ZR 80/16).

### 5. Preis-Leistungs-Relation
Reine Preisvergabe nur in Ausnahmefaellen (§ 58 Abs. 2 VgV: bei standardisierten Leistungen). Sonst wirtschaftlichstes Angebot ueber Nutzwertanalyse oder einfache Richtwertmethode (UFAB).

### 6. Lebenszykluskosten § 59 VgV
Anschaffung, Nutzung, Wartung, Entsorgung. Methodische Anforderungen: Daten transparent, Berechnung nachvollziehbar.

## Pruefraster Wertungsdurchfuehrung
- Wertungsmatrix vor Angebotsoeffnung festlegen und dokumentieren.
- Bewertungspersonen benennen (Vier-Augen-Prinzip).
- Einzelbegruendung je Kriterium und Bieter, nicht nur Gesamtnote.
- Punktevergabe nachvollziehbar (z. B. Notenskala mit Beschreibung pro Stufe).
- Dokumentation Vergabevermerk § 8 VgV.

## Typische Fehler
- Schulnotenbewertung ohne Beschreibung der Notenstufen (OLG Duesseldorf VII-Verg 36/17).
- Unterkriterien erst nach Angebotsoeffnung definiert.
- Preis-Leistungs-Formel mit unrealistischen Spreizungen (Preis wird wertungsneutral).
- Referenzanforderungen, die nur Altanbieter erfuellen.
- Nachhaltigkeit ohne Auftragsbezug.

## Output-Module
### Wertungsmatrix-Entwurf (Auftraggeber)
Tabelle: Kriterium | Gewicht (%) | Unterkriterien | Bewertungsmassstab | Maximalpunktzahl | Begruendung Auftragsbezug.

### Pruefvermerk Wertungsruege (Bieter)
1. Wertungskriterium und Begruendung des Auftraggebers
2. Vergaberechtlicher Massstab
3. Konkreter Fehler
4. Auswirkung auf Wertungsergebnis
5. Antrag im VK-Verfahren

## Quellenregel
Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei pruefbarer Quelle ausgeben (dejure.org, openjur.de). EuGH-Entscheidungen ueber curia.europa.eu verifizieren.
