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# Vergabe freiberuflicher Leistungen (Architekten, Ingenieure, Rechtsanwaelte, Wirtschaftspruefer): Auftraggeber will HOAI- und vergaberechtskonform vergeben


## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: die vergaberechtlich einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

**Fokus:** Vergabe freiberuflicher Leistungen (Architekten, Ingenieure, Rechtsanwaelte, Wirtschaftspruefer): Auftraggeber will HOAI- und vergaberechtskonform vergeben. Normen: § 50 VgV (Freiberufliche Leistungen), §§ 73 ff. VgV (Planungswettbewerb), HOAI 2021 (nach EuGH C-377/17 BGH VII ZR 174/19 als Orientierung), RPW 2013. Prüfraster: Verfahrenswahl Verhandlungsverfahren mit/ohne TW, Honorar als Wertungskriterium, Mindest- und Hoechstsaetze nach EuGH-Entscheidung, Planungswettbewerb RPW. Output Verfahrensentwurf, Honorar-Wertungsmodul. Abgrenzung: Wertung siehe fachanwalt-vergaberecht-zuschlagskriterien-wertungsschema.

### Freiberufliche Leistungen (§ 50 VgV)

## Einstieg
1. Leistung freiberuflich i. S. § 18 EStG?
2. Schwellenwert oberschwellig (Liefer-/Dienstleistung EUR 216000 Kommunen / EUR 140000 Bund ab 01.01.2026)?
3. Planungsleistung mit HOAI-Bezug (Architekt, Ingenieur)?
4. Planungswettbewerb sinnvoll (Architektur, Stadtplanung)?
5. Vergabesperre, fruehere Mandanten/Auftraggeber-Beziehungen, Interessenkonflikte (§§ 6 ff. VgV)?

## Verfahrenswahl
### Verhandlungsverfahren mit TW (Regel) § 50 VgV
Freiberufliche Leistungen sind regelmaessig nicht eindeutig und erschoepfend beschreibbar, daher Verhandlungsverfahren mit TW zulässig. Voraussetzung § 14 Abs. 4 Nr. 5 VgV.

### Planungswettbewerb § 78 ff. VgV
Anonymisiertes Wettbewerbsverfahren mit Jury (RPW 2013). Anschluss-Vergabe an Sieger über Verhandlungsverfahren ohne TW (§ 14 Abs. 4 Nr. 8 VgV) zulässig.

### Konzeptvergabe
Loesungsorientierte Vergabe ohne klassisches Leistungsverzeichnis; Eignung und Konzept werden gemeinsam bewertet.

## HOAI 2021 und EuGH/BGH-Linie
- EuGH C-377/17 Kommission/Deutschland (04.07.2019): Mindest- und Hoechstsaetze HOAI alte Fassung unionsrechtswidrig.
- BGH VII ZR 174/19 (02.06.2022): HOAI-Saetze im Bestand-Inland-Verhältnis nicht zwingend.
- HOAI 2021: Orientierungshilfe, kein zwingender Mindestpreis; freie Honorarvereinbarung möglich.
- Vergabepraxis: Honorar als Wertungskriterium zulässig und ueblich.

## Honorar als Wertungskriterium
- Grundsatz: zulässig, aber nicht alleiniges Kriterium (qualitaetsabhaengige Leistung).
- Typische Gewichtung: 20-40 Prozent Honorar, 60-80 Prozent Qualitaet (Konzept, Team, Referenzen).
- Untergrenze: kein Preisdumping (§ 60 VgV Prüfung ungewoehnlich niedriger Angebote).

## Planungswettbewerb RPW 2013
- Anonymitaet bis Juryentscheidung.
- Preisgericht mit Mehrheit Fachleute.
- Preisgeld nach RPW-Tabellen.
- Direkter Anschluss an Sieger im Verhandlungsverfahren ohne TW (§ 14 Abs. 4 Nr. 8 VgV) zulässig, sofern in Auslobung angekuendigt.

## Typische Fehler
- Honorar als einziges Kriterium (Qualitaetsverlust + EuGH-konformes Wertungsmodell verletzt).
- HOAI-Mindestsatz als Mindestpreis ausgeschrieben (unzulaessig nach EuGH).
- Planungswettbewerb ohne anonyme Phase.
- Bieterkreis im Verhandlungsverfahren zu eng (Mindestens 3 Bewerber).

## Vergabe-Workbench-Boost v61.2

- Starte jedes Mandat mit Rolle, Verfahrensstand, Schwellenwert/Rechtsweg, Frist und Dokumentenlage.
- Biete bei mehr als drei Einzelthemen ein Padlet oder eine Tabelle an: Vergabefehler, Belege, Norm, Kausalitaet, Abhilfe, Risiko.
- Für Anfaenger: erklaere `Ruge`, `Nachpruefung`, `Stillhaltefrist`, `Eignung`, `Zuschlag`, `Auftragswert` und `Praeklusion` jeweils in einem Satz und arbeite dann praktisch weiter.
- Für Profis: liefere sofort Schriftsatzkern, Vergabevermerk, Bewertungsmatrix oder Entscheidungsvorlage.
- Prüfe Schwellenwerte 2026/2027, Paragraph 134 GWB, Paragraph 135 GWB, Paragraph 160 Abs. 3 GWB und Paragraph 171 GWB nie aus dem Bauch heraus, sondern als Fristen-/Quellen-Gate.
- Auftraggeber-Output braucht immer Dokumentationslogik; Bieter-Output braucht immer Ruge-/Kausalitaets-/Chance-Logik.
- Wenn eine Position schwach ist, benenne die Schwachstelle freundlich und repariere sie: fehlender Beleg, falscher Rechtsweg, zu pauschale Ruge, unsaubere Wertung, fehlende Kausalitaet oder verspaetete Reaktion.
