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name: insolvenz-franchisenehmer-franchisegeber
description: "Insolvenz des Franchisenehmers: Fortführung des Franchisesystems durch den Insolvenzverwalter, Marken- und Know-how-Schutz des Franchisegebers, Sonderkündigungsrecht nach § 103 InsO und Rückforderung von Systemkennzeichen im Franchiserecht."
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# Franchiserecht: Insolvenz des Franchisenehmers – Fortführung und Markenschutz

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: GWB §§ 1, 2, 18, 19, 20, 33, 35, 36, AEUV Art. 101, 102, FKVO 139/2004; BGB §§ 311 ff., 305 ff., HGB §§ 84 ff., MarkenG, EU-Vertikal-GVO 2022/720, WettbR — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Mandantenfall

Ein Franchisenehmer hat Insolvenz angemeldet. Der Insolvenzverwalter möchte den Betrieb fortführen und beruft sich auf das Franchise-Dauerschuldverhältnis. Der Franchisegeber möchte die Nutzung seiner Marken und des Systemhandbuchs unterbinden. Es besteht Streit über das Recht zur Vertragsfortführung und über Lizenzgebühren für die Insolvenzmasse.

## Erste Schritte

1. Insolvenzverfahren und Stadium erfassen: Vorläufige Insolvenz (§ 21 InsO) oder eröffnetes Verfahren; vorläufiger oder endgültiger Insolvenzverwalter.
2. Franchisevertrag als gegenseitigen Vertrag einordnen: § 103 InsO gibt dem Insolvenzverwalter das Recht zur Erfüllungswahl.
3. Sonderkündigungsrecht des Franchisegebers prüfen: Vertragliche Insolvenzklausel vs. Zulässigkeit nach § 119 InsO (Unwirksamkeit von Klauseln, die das Wahlrecht des Insolvenzverwalters einschränken).
4. Markennutzung und Know-how nach Insolvenzeröffnung: Besteht weiterhin eine wirksame Lizenz; kann der Franchisegeber diese entziehen?
5. Sicherung offener Forderungen des Franchisegebers: Anmeldefristen zur Insolvenztabelle (§ 174 InsO), Aussonderungs- oder Absonderungsrechte.
6. Kommunikation mit Insolvenzverwalter: Wer führt das Alltagsgeschäft; welche Systempflichten gelten fort?

## Rechtsrahmen

- § 103 InsO: Wahlrecht des Insolvenzverwalters bei gegenseitigen Verträgen
- § 119 InsO: Unwirksamkeit von Klauseln, die das Wahlrecht des Insolvenzverwalters aushebeln
- § 108 InsO: Fortführung von Miet- und Pachtverträgen durch den Insolvenzverwalter
- §§ 174 ff. InsO: Anmeldung von Forderungen zur Insolvenztabelle
- §§ 14 ff. MarkenG: Markenrechte des Franchisegebers bleiben in der Insolvenz des Lizenznehmers bestehen
- § 47 InsO: Aussonderungsrecht für Gegenstände im Eigentum des Franchisegebers

## Prüfraster

- Hat der Franchisegeber ein wirksames Sonderkündigungsrecht bei Insolvenz im Vertrag oder scheitert dieses an § 119 InsO?
- Wählt der Insolvenzverwalter Erfüllung des Franchisevertrags (§ 103 InsO); welche Konsequenzen hat das für Lizenzgebühren und Qualitätspflichten?
- Welche Vermögensgegenstände des Franchisegebers (Systemhandbuch, Software, Ausstattung) sind aussonderungsfähig nach § 47 InsO?
- Sind Lizenzgebühren aus der Zeit nach Insolvenzeröffnung Masseforderungen (§ 55 InsO)?
- Kann der Franchisegeber die Markennutzung durch den Insolvenzverwalter einschränken oder untersagen?
- Sind Kundendaten und CRM-Daten dem Franchisegeber oder der Insolvenzmasse zuzuordnen?
- Welche Fristen gelten für die Forderungsanmeldung nach § 174 InsO?

## Fallstricke

- Vertragsklausel mit automatischer Auflösung bei Insolvenz ist nach § 119 InsO unwirksam; der Vertrag läuft fort.
- Franchisegeber duldet Weiternutzung der Marke durch den Insolvenzverwalter, ohne Lizenzzahlungen zu fordern, und verliert Schutzwürdigkeit seiner Forderungen.
- Forderungsanmeldungsfrist zur Insolvenztabelle wird versäumt; Forderungen erlöschen in der Insolvenz.
- Software und IT-Systeme sind nicht als Eigentum des Franchisegebers gekennzeichnet; Zuordnung zur Masse ist strittig.

## Quellen

- https://gesetze-im-internet.de/inso/__103.html
- https://gesetze-im-internet.de/inso/__119.html
- https://gesetze-im-internet.de/inso/__47.html
- https://gesetze-im-internet.de/inso/__174.html
- https://dejure.org/gesetze/MarkenG/14.html
- https://gesetze-im-internet.de/inso/__55.html

## Vertiefung

Die Insolvenz des Franchisenehmers stellt den Franchisegeber vor eine schwierige Abwägung: Einerseits gefährdet die Weiterführung unter dem Insolvenzverwalter die Systemqualität und die Marke; andererseits hat die Insolvenzmasse Interesse an der Fortführung, um Gläubiger zu befriedigen. § 103 InsO gibt dem Insolvenzverwalter das Wahlrecht, das der Franchisegeber nicht einseitig unterdrücken kann.

Die Entscheidung des BGH zur Insolvenzfestigkeit von Dauerschuldverhältnissen im Franchise ist weiterhin relevant: Klauseln, die automatisch bei Insolvenzeröffnung zur Vertragsbeendigung führen, sind nach § 119 InsO unwirksam. Der Franchisegeber kann zwar auf Erfüllung bestehen, aber auch gegebenenfalls den Vertrag nach § 103 Abs. 2 InsO auflösen lassen.

## Praxishinweise

- Sofortmassnahme bei Insolvenzmeldung: Markennutzung des Insolvenzverwalters dokumentieren.
- Forderungsanmeldung zur Insolvenztabelle nach § 174 InsO innerhalb der gesetzten Frist.
- Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter: Klarstellen, welche Systemstandards bei Fortführung einzuhalten sind.
- Kundendaten und IT-Zugänge sofort sichern; Zugriff des Insolvenzverwalters auf Franchisegeber-Systeme begrenzen.
- Vertragliche Insolvenzklauseln auf Vereinbarkeit mit § 119 InsO prüfen; unwirksame Klauseln nicht als Kündigungsgrundlage nutzen.

## Abgrenzung und Einordnung

Franchiserecht ist in Deutschland kein eigener gesetzlich geregelter Vertragstyp. Die Rechtsordnung wendet typenverwandte Normen an: BGB-Schuldrecht für Vertragspflichten und Haftung, HGB für handelsrechtliche Besonderheiten, MarkenG für Schutzrechte, GWB und Vertikal-GVO EU 2022/720 für kartellrechtliche Grenzen sowie GeschGehG für Know-how-Schutz. Der BGH hat mit NJW 2003 S. 743 die vorvertragliche Aufklärungspflicht des Franchisegebers grundlegend geprägt. Der Code of Ethics des Deutschen Franchiseverbands (DFV) setzt branchenübliche Mindeststandards, ist aber kein Gesetz.

## Abgrenzung und Einordnung
