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name: intwr-rom-i-ii-leitfaden
description: "Leitfaden Rom I und Rom II: Anknuepfungsregeln vertragliche und ausservertragliche Schuldverhaeltnisse, Eingriffsnormen Art. 9 Rom I, ordre public. Pruefraster fuer Rechtswahl und gewoehnlicher Aufenthalt."
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# IntWR: Rom I + II Leitfaden

## Aufgabe
Leitfaden Rom I-VO (593/2008) und Rom II-VO (864/2007): Anknuepfungsregeln vertragliche und ausservertragliche Schuldverhaeltnisse, Eingriffsnormen Art. 9 Rom I, ordre public Art. 21 Rom I / Art. 26 Rom II. Pruefraster fuer Rechtswahl und gewoehnlichen Aufenthalt.

## Kaltstart
Frage zu Beginn nur ab, was fuer den naechsten Schritt unverzichtbar ist. Wenn Material vorliegt, mit dem Material arbeiten und nur eine gezielte Rueckfrage stellen.

1. **Rolle und Ziel:** Wer fragt, welche Rolle, welcher gewuenschte Output (Memo, Schriftsatz, Tabelle, Checkliste)?
2. **Sachverhalt:** Welche unstreitigen Tatsachen liegen vor, was ist streitig, was fehlt noch?
3. **Fristen:** Gibt es Termine, Fristen, eilbeduerftige Schritte?
4. **Unterlagen:** Welche Dokumente, Bescheide, Vertraege, Auszuege liegen vor?
5. **Format:** Wie ausfuehrlich, fuer wen, in welcher Tonalitaet?

## Pruefraster Rom I (vertragliche Schuldverhaeltnisse)

### 1. Anwendungsbereich Art. 1 Rom I

- Vertragliche Schuldverhaeltnisse in Zivil- und Handelssachen mit Auslandsbezug; Ausnahmen Art. 1 II (z. B. Status, Familienrecht, Schiedsvereinbarung).
- Universelle Anwendung Art. 2 — gilt auch ohne Bezug zu EU-Recht.

### 2. Rechtswahl Art. 3 Rom I

- Ausdrueckliche oder konkludente Rechtswahl moeglich, fuer Gesamtvertrag oder Teile (depecage Art. 3 I 3).
- Aenderung der Rechtswahl Art. 3 II.
- Schutz vor reinen Binnensachverhalten Art. 3 III (zwingende Vorschriften des Sachstaats bleiben anwendbar).
- Innergemeinschaftlicher Sachverhalt + Wahl drittstaatlichen Rechts: zwingendes Unionsrecht (Art. 3 IV).

### 3. Mangels Rechtswahl Art. 4 Rom I

- Acht typisierte Vertraege Art. 4 I (Kauf -> Verkaeufer; Dienstleistung -> Dienstleister; Grundstueck -> Lex rei sitae; etc.).
- Wenn nicht typisiert: charakteristische Leistung Art. 4 II.
- Ausweichklausel Art. 4 III (offensichtlich engere Verbindung).

### 4. Sondernormen

- **Befoerderungsvertraege** Art. 5.
- **Verbrauchervertraege** Art. 6: gewoehnlicher Aufenthalt des Verbrauchers, soweit Unternehmer Taetigkeit dorthin ausrichtet; Rechtswahl moeglich, aber zwingender Verbraucherschutz greift weiter.
- **Versicherungsvertraege** Art. 7.
- **Individualarbeitsvertraege** Art. 8: gewoehnlicher Arbeitsort; zwingender AN-Schutz bei Rechtswahl.

### 5. Eingriffsnormen Art. 9 Rom I

- "Overriding mandatory provisions" der lex fori (Art. 9 II) immer anwendbar.
- Eingriffsnormen eines Drittstaates: nur Wirkungsverleihung (Art. 9 III).
- Beispiel DE: § 138 BGB nicht; aber Devisen-, Embargo-, Kartellrecht.

### 6. Ordre public Art. 21 Rom I

- Anwendung auslaendischen Rechts darf "offensichtlich" mit ordre public des Forumstaats unvereinbar nicht sein. Hohe Schwelle.

## Pruefraster Rom II (ausservertragliche Schuldverhaeltnisse)

### 1. Anwendungsbereich Art. 1 Rom II

- Ausservertragliche Schuldverhaeltnisse (unerlaubte Handlung, ungerechtfertigte Bereicherung, GoA, c.i.c. Art. 12).
- Ausnahmen Art. 1 II (Familien-, Erb-, Gesellschafts-, Wertpapierrecht etc.).
- Universelle Anwendung Art. 3.

### 2. Anknuepfung unerlaubter Handlungen Art. 4 Rom II

- **Erfolgsort** (Art. 4 I) — wo Schaden eintritt.
- **Gemeinsamer gewoehnlicher Aufenthalt** (Art. 4 II) — vorrangig.
- **Ausweichklausel** Art. 4 III — offensichtlich engere Verbindung.

### 3. Sondertatbestaende

- **Produkthaftung** Art. 5.
- **Unlauterer Wettbewerb** Art. 6 (Marktortprinzip).
- **Kartelldelikte** Art. 6 III — Marktort.
- **Umweltschaedigung** Art. 7 — Wahlrecht Geschaedigter.
- **IP-Verletzung** Art. 8 (Schutzlandprinzip).
- **Streikfolgen** Art. 9.
- **C.i.c.** Art. 12.

### 4. Rechtswahl Art. 14 Rom II

- Grundsaetzlich nach Schadenseintritt; bei kommerzieller Taetigkeit auch vorher.
- Verbraucher- und AN-Schutz bleiben.

## Pruefraster fuer den Skill

1. **Sachverhalt fixieren** — Wer, was, wo, welcher Auslandsbezug?
2. **Anwendbarkeit Rom I/II** pruefen.
3. **Rechtswahl** existiert? Wenn ja: Wirksamkeit pruefen.
4. **Objektive Anknuepfung** als Fallback.
5. **Eingriffsnormen** der lex fori pruefen.
6. **Ordre public** als letztes Sieb.

## Praxisfallen

- **Rom I gilt nicht** fuer Schiedsvereinbarungen (Art. 1 II lit. e Rom I); IPR der Schiedsvereinbarung folgt eigenen Regeln (NYÜ Art. V).
- **Brexit**: UK seit 1.1.2021 nicht mehr an Rom I/II gebunden; UK hat aber Rom I/II in nationales Recht uebernommen (Retained EU Law).
- **Vertragsstatut vs. Geschaeftsfaehigkeit**: Vertragsstatut nur fuer Vertragsinhalt; Geschaeftsfaehigkeit nach Personalstatut.
- **Form** Art. 11 Rom I: alternative Anknuepfung; Vertragsstatut oder Ortsrecht.

## Plugin-Kontext
Dieser Skill gehoert zum Plugin `fachanwalt-internationales-wirtschaftsrecht`. Er ergaenzt die uebrigen Skills des Plugins um einen vertieften Spezialfall oder eine systematische Einfuehrung. Bei Folgefragen werden andere Skills des Plugins als Anschluss vorgeschlagen.

## Output-Module
- Strukturierter Pruefvermerk im Gutachtenstil mit klaren Ueberschriften.
- Tabellen und Checklisten, wo das die Lesbarkeit erhoeht.
- Anschreiben-, Antrags- oder Klageschriftsatz-Geruest, wenn die Aufgabe das verlangt.
- Quellenliste mit Gericht, Datum, Aktenzeichen, frei pruefbarem Link.

## Quellenregel
- Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei pruefbarem Link (`dejure.org`, `openjur.de`, `bundesgerichtshof.de`, `bundesverfassungsgericht.de`, `curia.europa.eu`).
- Keine Zitate aus `anwalt24.de`. Keine `BeckRS` als alleinige Fundstelle bei tragenden Aussagen.
- Aufsaetze mit Verfasser, Zeitschrift, Jahr, Heft (falls relevant) und Seite.
- Kommentare mit Bearbeiter und Randnummer.
- Annahmen explizit als solche kennzeichnen, keine Erfindungen.

## Was dieser Skill nicht macht
- Kein Ersatz fuer eine vollstaendige Mandantenberatung.
- Keine Festlegung des Mandanten ohne dessen ausdrueckliche Entscheidung.
- Keine Bewertung von Tatsachen, die nicht durch Unterlagen oder klare Mandantenangaben gedeckt sind.
- Bei erkennbaren Interessenkonflikten oder Berufsrechtsfragen Hinweis an den fallfuehrenden Anwalt.
