---
name: mandat-erstgespraech-normenkontrolle
description: Strukturiertes Erstgespraech fuer Normenkontroll-Mandat gegen Bebauungsplan Flaechennutzungsplan oertliche Bauvorschrift. Aufnahme Mandantenbetroffenheit Eigentum Nachbarschaft Belang. Pruefung der vier Zulaessigkeitssaeulen statthaftigkeit Antragsbefugnis Antragsfrist Rechtsschutzbeduerfnis. Vorlaeufige Erfolgsaussichten anhand erste Plan-Sichtung Bekanntmachung Begruendung. Kosten-Aufklaerung RVG-Wahlmandat Streitwert nach Streitwertkatalog Verwaltungsgerichtsbarkeit Nr 9.8.1. Mandantenchronologie der Beteiligung am Aufstellungsverfahren als Schluesselgrundlage fuer Ruegefristen Paragraf 215 BauGB. Aktenanlage und Dokumentation. Entscheidung Hauptsache versus Eilantrag Paragraf 47 Abs. 6 VwGO. Mandatsannahme oder Ablehnung mit Begruendung.
---

# Erstgespräch Normenkontroll-Mandat

## Zweck

Erste Sortierung eines Mandats gegen einen Bebauungsplan, Flächennutzungsplan oder eine örtliche Bauvorschrift. Ergebnis: belastbare Erst-Einschätzung der Erfolgsaussichten und Mandatsannahme-Entscheidung.

## Schritt 1 — Mandantendaten und Betroffenheitsfeststellung

### Persönliche Daten
- Name, Anschrift, Geburtsdatum, Kontakt
- Eigentumsverhältnisse am betroffenen Grundstück (Alleineigentum, Miteigentum, Wohnungseigentum)
- Grundbuchauszug aktuell beziehen lassen
- Familienstand bei gemeinschaftlichem Eigentum

### Räumliche Lage
- Adresse Mandantengrundstück
- Adresse / Bezeichnung Plangebiet
- Abstand Grundstücksgrenze zu Plangebiet
- Skizze Lageplan oder Auszug Stadtplan zur Akte
- Sichtbeziehung, Verkehrsbeziehung, Topografie

### Konkrete Betroffenheit
- Innerhalb Plangebiet — direkte Festsetzungsbetroffenheit
- Außerhalb Plangebiet — drittbetroffener Nachbar
- Belang: Verschattung, Lärm, Verkehr, Geruch, Wertminderung, Aussicht, Klima

## Schritt 2 — Plan-Identifikation

### Pflichtangaben
- Genaue Bezeichnung des Plans (Nummer, Name, Stadt, Stadtteil)
- Aufstellungsbeschluss-Datum
- Beschluss als Satzung
- Bekanntmachungsdatum und Ort (Amtsblatt, Tageszeitung)
- Inkrafttreten
- Art des Plans: B-Plan qualifiziert, einfach, vorhabenbezogen § 12 BauGB, Bebauungsplan der Innenentwicklung § 13a BauGB, FNP, örtliche Bauvorschrift § 9 Abs. 4 BauGB i.V.m. Art. 81 BayBO

### Beschaffung der Planunterlagen
- Bei der planenden Gemeinde mündlich oder schriftlich anfordern
- Online-Bauleitplan-Auskunft sichten
- Bekanntmachung als PDF
- Satzungstext mit textlichen Festsetzungen
- Planurkunde zeichnerisch
- Begründung mit Umweltbericht
- Abwägungsdokumentation Stadtrat

## Schritt 3 — Vier Säulen Zulässigkeit § 47 VwGO

### Säule 1 — Statthaftigkeit
- Im Rang unter Landesgesetz stehende Rechtsvorschrift
- B-Plan und örtliche Bauvorschrift in Bayern erfasst (§ 47 Abs. 1 Nr. 1 VwGO i.V.m. Art. 5 BayAGVwGO)
- FNP grundsätzlich nicht statthaft — aber wenn Festsetzungen mit Außenwirkung (Konzentrationsflächen Windenergie § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB) ja
- Frühzeitige Klärung welcher Plan angegriffen wird

### Säule 2 — Antragsbefugnis § 47 Abs. 2 VwGO
- Möglichkeitstheorie: Geltendmachung einer Rechtsverletzung möglich
- Eigentümer im Plangebiet immer
- Nachbar bei abwägungserheblichem Belang (BVerwG, Beschluss vom 31.1.2017 – 4 BN 28.16)
- Anerkannter Naturschutzverband § 64 BNatSchG, § 2 UmwRG

### Säule 3 — Antragsfrist § 47 Abs. 2 S. 1 VwGO
- Ein Jahr ab Bekanntmachung der Norm
- Heute kein 2-Jahres-Zeitraum mehr (Verkürzung durch Gesetz vom 22.12.2006)
- Bei Eilbedarf Fristprüfung sofort
- Wiedereinsetzung § 60 VwGO nur bei unverschuldeter Versäumung

### Säule 4 — Rechtsschutzbedürfnis
- Bei Vollzug bereits abgeschlossen — Rechtsschutzbedürfnis problematisch
- Bei Vollzug noch nicht erfolgt — gegeben
- Bei Genehmigung bereits erteilt — parallel Klage gegen Genehmigung erforderlich

## Schritt 4 — Mandantenchronologie und Beteiligung

### Eigene Beteiligung am Aufstellungsverfahren
- An früher Beteiligung § 3 Abs. 1 BauGB teilgenommen?
- Schriftliche Einwendung in förmlicher Beteiligung § 3 Abs. 2 BauGB abgegeben?
- Wortlaut der Einwendungen sichern (eigene Korrespondenz, Mail-Archiv, Eingangsbestätigung Stadt)
- An Bürgerversammlung teilgenommen?
- Mit anderen Anwohnern vernetzt? Bürgerinitiative?

### Bedeutung für Rügefrist § 215 BauGB
- Verfahrensfehler nur dann beachtlich, wenn innerhalb eines Jahres nach Bekanntmachung gerügt
- Wer eingewendet hat, hat in der Regel die Substanz bereits dokumentiert
- Wer nicht eingewendet hat, ist nicht präkludiert (BVerwG, Urteil vom 18.11.2010 – 4 CN 3.10) — aber materiell schwächer
- Anwältin muss die Einwendungen kennen, um Rüge zu fertigen

## Schritt 5 — Erste Erfolgsaussichtenprognose

### Schnellscan-Punkte
- Stimmt die Verfahrenskette in der Begründung formal? Beschlüsse, Bekanntmachungen, Auslegung?
- Gibt es einen Umweltbericht? Plausibel?
- Ist die Abwägung mehr als formelhaft?
- Sind Stellplätze, Lärm, Artenschutz ernsthaft behandelt?
- Hinweise auf Vorfestlegung oder Gefälligkeitsplanung?

### Prognose-Kategorien
- Erfolgsaussichten gering — Mandatsablehnung empfehlen
- Erfolgsaussichten offen — Mandat mit klarer Kosten-Aufklärung
- Erfolgsaussichten gut — Mandat einschließlich Eilantrag prüfen
- Erfolgsaussichten sehr gut — Mandat plus Eilantrag plus parallele Drittklage

## Schritt 6 — Kosten und Streitwert

### Streitwert
- Streitwertkatalog Verwaltungsgerichtsbarkeit Nr. 9.8.1
- Im Regelfall 60.000 EUR pro Antragsteller, mindestens
- Bei wirtschaftlich besonders bedeutendem Plan höher
- Eilantrag § 47 Abs. 6 VwGO: halber Hauptsachestreitwert

### Gebühren RVG
- 1,6-fache Verfahrensgebühr Nr. 3200 VV RVG
- 1,2-fache Terminsgebühr Nr. 3202 VV RVG
- Auslagenpauschale Nr. 7002 VV RVG
- Mandantengespräch über mögliche Mehrkosten Gutachten Schallschutz / Artenschutz

### Wahl-Vereinbarung
- Stundensatz Wahlmandat möglich — schriftliche Honorarvereinbarung § 3a RVG
- Bei Verbandsklage Naturschutz oft RVG plus Spendenakquise

## Schritt 7 — Akten- und Fristanlage

### Akte
- Mandatsbogen
- Vollmacht
- Plan-Mappe mit allen Plan-Unterlagen
- Mandantenchronologie
- Aktennotiz Erstgespräch
- Streitwert- und Kosten-Note

### Fristen
- **Jahresfrist § 47 Abs. 2 VwGO** ab Bekanntmachung — primäre Frist
- **Rügefrist § 215 BauGB** ein Jahr ab Bekanntmachung — parallele Sicherungsfrist
- Beide Fristen mit zweifacher Vorfrist im Fristenkalender (zwei Wochen vor Ablauf, vier Wochen vor Ablauf)

## Schritt 8 — Mandatsannahme oder Ablehnung

### Annahme
- Schriftliche Auftragsbestätigung
- Übersendung Honorarvereinbarung
- Ankündigung Akteneinsicht bei der Gemeinde

### Ablehnung
- Begründung schriftlich
- Hinweis auf Frist
- Hinweis auf andere Beratungswege
- Datenschutzkonforme Vernichtung der überlassenen Unterlagen oder Rückgabe

## Quellen

- VwGO §§ 47 60
- BauGB §§ 1 2 3 4 8 10 12 13a 35 214 215
- BNatSchG § 64
- UmwRG § 2
- BayAGVwGO Art. 5
- BayBO Art. 47 81
- RVG § 3a, VV RVG Nr. 3200 3202 7002
- Streitwertkatalog Verwaltungsgerichtsbarkeit 2013 Nr. 9.8.1
- BVerwG, Beschluss vom 31.1.2017 – 4 BN 28.16 (Antragsbefugnis Nachbar)
- BVerwG, Urteil vom 18.11.2010 – 4 CN 3.10 (Präklusionswirkung Einwendung)
