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name: methodenlehre-zivilrecht
description: "Übt die zivilrechtliche Methodenlehre für Studierende — Anspruchsgrundlagen-Schema, AGL-Reihenfolge (vertraglich, vertragsähnlich, dinglich, deliktisch, bereicherungsrechtlich), Konkurrenzen, Auslegung von Willenserklärungen (§§ 133/157 BGB), Auslegung von AGB (§ 305 ff. BGB), Verkehrssitte. Lädt, wenn der Nutzer „AGL-Reihenfolge\", „Anspruchsprüfung\", „Willenserklärung auslegen\", „AGB auslegen\" oder „Konkurrenzen Zivilrecht\" sagt."
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# Methodenlehre — Zivilrecht

## Zweck

Im Zivilrecht ist die Methodik standardisierter als anderswo: Das Gutachten folgt der Anspruchsgrundlagen-Prüfung, die Konkurrenzen sind dogmatisch geklärt, und die Auslegung von Willenserklärungen hat ein eigenes Methodengerüst (§§ 133, 157 BGB). Wer das beherrscht, gewinnt die meisten Klausuren auf der Strukturebene.

## Eingaben

- **Fall** oder **Sachverhaltsteil**
- Optional: **dein Prüfungsentwurf** (Reihenfolge der AGL, gewählte AGL)
- Optional: **konkretes Methodenproblem** (Willenserklärung, AGB, Konkurrenz)

## Die Anspruchsgrundlagen-Reihenfolge

Eine zivilrechtliche Klausur ohne saubere AGL-Reihenfolge ist verloren. Die kanonische Reihenfolge:

1. **Vertragliche Ansprüche** (Primär-, Sekundär-, Begleitansprüche)
   - § 433 BGB, § 535 BGB, § 631 BGB, § 611 BGB usw.
   - Leistungsstörungen: §§ 280 I, 280 I, II, 286, 280 I, III, 281, 280 I, III, 283, 284, 311a II.
   - Rücktritt §§ 323, 326 V; Minderung § 441; Nacherfüllung § 439.

2. **Vertragsähnliche Ansprüche**
   - c. i. c. (§§ 280 I, 311 II, 241 II), Vertrag mit Schutzwirkung Dritter, GoA (§§ 677 ff.), Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (§§ 985, 987 ff., 994 ff.).

3. **Dingliche Ansprüche**
   - Herausgabe § 985 BGB, Beseitigung/Unterlassung § 1004, § 894 (Grundbuchberichtigung).

4. **Deliktische Ansprüche**
   - § 823 I, § 823 II, § 826, §§ 824, 825, 831, 832, 833, 836, 839 BGB.
   - Quasideliktische Ansprüche: §§ 7 ff. StVG, ProdHaftG, UmweltHG.

5. **Bereicherungsrechtliche Ansprüche**
   - § 812 I 1 Fall 1 (Leistungskondiktion), § 812 I 1 Fall 2 (Nichtleistungskondiktion), § 813, § 816, § 822.

**Faustregel**: Vertrag vor Delikt, Delikt vor Bereicherung. Aber: Die **Subsidiarität** ist anspruchsspezifisch (nicht jeder Anspruch ist gegen den anderen subsidiär).

## Auslegung von Willenserklärungen — §§ 133, 157 BGB

Die wichtigste Methodenfrage des BGB AT.

- **§ 133 BGB**: „der wirkliche Wille zu erforschen" — subjektiv.
- **§ 157 BGB**: „nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte" — objektiv.
- **Empfängerhorizont**: Maßgeblich ist, wie der **objektive Empfänger** in der Lage des konkreten Erklärungsempfängers die Erklärung verstehen durfte und musste.
- Ausnahmen: **falsa demonstratio non nocet** (übereinstimmender innerer Wille schlägt Wortlaut); **interne Auslegung** zwischen Anwesenden ohne objektiven Empfängerhorizont in Sonderkonstellationen.

Prüfungsschritte:
1. Wortlaut der Erklärung.
2. Begleitumstände (Vorgespräche, frühere Geschäftsbeziehung, Branchenüblichkeit).
3. Verkehrssitte (Handelsbrauch nach § 346 HGB im Kaufmannsverkehr).
4. Sinn und Zweck der Erklärung.
5. **Auslegungsgrenze**: Andeutung im Wortlaut bei formbedürftigen Geschäften (Andeutungstheorie).

## Auslegung von AGB

- **§ 305c II BGB**: Unklarheitenregel — Zweifel gehen zulasten des Verwenders.
- **Kundenfeindlichste Auslegung im Verbandsklageverfahren**: Bei der abstrakten Inhaltskontrolle (§§ 1, 3 UKlaG) wird die kundenfeindlichste Auslegung gewählt, damit die Klausel mit Sicherheit unwirksam ist.
- Im **Individualprozess** dagegen normale Auslegung mit § 305c II als Tiebreaker.
- AGB werden nach **objektivem Empfängerhorizont eines durchschnittlichen Kunden** ausgelegt, nicht nach dem konkreten Vertragspartner.

## Konkurrenzen

- **Anspruchsgrundlagenkonkurrenz** ist die Regel: mehrere AGL nebeneinander prüfen.
- **Subsidiarität**: gesetzlich (z. B. § 988 BGB), vertraglich oder dogmatisch (Spezialität).
- **Spezialität**: Speziellere Norm verdrängt allgemeinere (z. B. ProdHaftG für Produktfehler statt § 823 BGB? — nein, beide nebeneinander, ProdHaftG verdrängt nicht).
- **Konsumtion / Verdrängung**: § 280 I BGB neben § 823 BGB ist kein Streit, beide prüfen.

## Methodenfehler — typische Klausurfallen

- **AGL springen** (von § 433 zu § 823 ohne Begründung). Pushback: Was hat dich überzeugt, dass § 433 nicht weiterhilft?
- **„Es liegt ein Vertrag vor"** ohne §§ 145, 147 BGB zu prüfen.
- **Auslegung übersehen**: Der Fall verlangt nach § 133 BGB; stattdessen wird subsumiert, was der Erklärende „eigentlich gemeint" haben muss — ohne Methode.
- **AGB-Kontrolle in falscher Reihenfolge**: § 305 II (Einbeziehung) vor § 305c I (überraschende Klausel) vor §§ 307 ff. (Inhaltskontrolle).
- **falsa demonstratio** wird zu früh angenommen: Voraussetzung ist tatsächlich **übereinstimmender** innerer Wille beider Seiten.

## Drill-Modus

1. Skill nennt Fall.
2. Studierender entwirft AGL-Reihenfolge.
3. Skill korrigiert ohne Vorgabe: „Warum prüfst du Bereicherung vor Delikt — woraus folgt das?"
4. Pro AGL prüft Studierender. Skill greift bei Subsumtionssprüngen, Auslegungsfehlern, Konkurrenzfehlern ein.

## Querverweise

- `methodenlehre-grundlagen` — die vier Auslegungsmethoden.
- `subsumtionslehre` — Subsumtion innerhalb der AGL-Prüfung.
- `loesungsschemata` — Schema für die Anspruchsprüfung (mit Disclaimer).
- `gutachten-uebung` — gesamte Gutachtenkorrektur.

## Was diese Skill nicht tut

- Sie schreibt keine Lösungsskizze.
- Sie ersetzt nicht den Palandt/Grüneberg, MüKo, BeckOK — sie übt deren Anwendung.
