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name: rechtsgeschichte-staatsrecht-kaiserreichs-weimarer
description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Staatsrecht des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Bismarckverfassung, Bundesstaat, Reichstag, Reichsleitung, Dualistischer Konstitutionalismus und Laband-Jellinek-Schule im Deutsche Rechtsgeschichte."
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# Staatsrecht des Deutschen Kaiserreichs

## Arbeitsweg

- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis.
- Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

## Worum es geht

Das Deutsche Reich (1871-1918) war ein Bundesstaat mit 25 Mitgliedsstaaten unter preussischer Hegemonie. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 (RGBl. 1871, 63) schuf einen dualistischen Konstitutionalismus: Reichstag (Volksvertreter, Budgetrecht) und Bundesrat (Fuersten-/Staatenkammer) plus Kanzler und Kaiser. Paul Laband (Staatsrecht des Deutschen Reichs, 4 Bde., 1876-82) und Georg Jellinek (Allgemeine Staatslehre, 1900) praegten die Staatsrechtswissenschaft. Die Verfassung kannte keine unmittelbaren Grundrechte. Wahlrecht: allgemeines, gleiches, direktes maennliches Wahlrecht zum Reichstag (Art. 20 RV 1871), aber kein Wahlrecht der Frauen.

## Kernnormen / Kernquellen

- **Reichsverfassung 1871 (RGBl. 1871, 63)**: Grundlage des Kaiserreichs
- **Art. 11 RV 1871**: Kaiser und Bundesratspraesidium
- **Art. 20-32 RV 1871**: Reichstag, allgemeines Maennerwahlrecht
- **Art. 38 RV 1871**: Wahlpruefung durch den Reichstag
- **Art. 78 RV 1871**: Verfassungsaenderung durch Bundesrat und Reichstag

## Akteure und Institutionen

- **Bismarck** (1815-1898): Schopfer der Reichsverfassung und erster Reichskanzler
- **Paul Laband** (1838-1918): Staatsrechtspositivist, Systematizierer des Reichsstaatsrechts
- **Georg Jellinek** (1851-1911): Allgemeine Staatslehre und Grundrechte als Reflexrechte
- **Kaiser Wilhelm II.** (1859-1941): Vertoerung des dualistischen Gleichgewichts

## Typische Streitfragen / Forschungsfragen

1. War das Kaiserreich ein echter Konstitutionalismus oder eine verschleierte Monarchie?
2. Laband-Positivismus: Hat die Formaljurisprudenz politische Kritik am Kaiserreich unterdrueckt?
3. Dualismus Reichstag-Reichsregierung: Wie weit war der Reichstag wirklich eingeschraenkt?
4. Wahlrecht: Allgemeines Maennerwahlrecht als liberal oder als Pfeiler des Kaiserreichs?
5. Oktober-Reformen 1918: Hatten sie das Kaiserreich durch echten Parlamentarismus ersetzen können?

## Methodik

- Reichsverfassung 1871: RGBl. 1871, 63 via ALEX/OeNB; documentArchiv.de
- Laband Staatsrecht: historische Edition (4 Bde., 1876-82), Band und Seite
- Jellinek Allgemeine Staatslehre: 3. Aufl. 1914, Band und Seite
- Sekundaerliteratur: Michael Stolleis Geschichte des öffentlichen Rechts Bd. II (1992)
