---
name: ruegeschriftsatz-erstellen
description: Strukturierter Ruegeschriftsatz nach § 160 Abs. 3 GWB. Voraussetzung jeder Vergabenachpruefung Adressat oeffentlicher Auftraggeber direktes Antwortschreiben. Konkret bezeichneter Vergabeverstoss mit Norm und Sachverhalt. Antrag auf Abhilfe und ggf. Aufhebung des Verfahrens. Zeitpunkt unverzueglich bei Erkennbarkeit. Bei Nichtabhilfe Antragsfrist fuenfzehn Kalendertage zur Vergabekammer. Aufbau Sachverhalt rechtlicher Verstoss Beweismittel Antrag. Form Schriftform / Telefax / qualifiziert elektronische Signatur. Zeitliche und sachliche Reihenfolge wichtig.
---

# Rügeschriftsatz nach § 160 Abs. 3 GWB

## Zweck

Die Rüge ist die Pflicht-Voraussetzung jedes Vergabe-Nachprüfungs-Antrags. Ohne rechtzeitig substantiierte Rüge ist der Nachprüfungs-Antrag unzulässig.

## Eingaben

- Bekanntmachung
- Vergabeunterlagen
- Eigene Angebots-Unterlagen
- Konkrete Beanstandungs-Punkte
- Datum der Kenntnisnahme

## Schritt 1 — Rüge-Pflicht-Konstellationen § 160 Abs. 3 GWB

### Konstellation 1 — Erkennbarer Bekanntmachungs-Fehler

- Frist: vor Ablauf der Angebots-Abgabe (Bekanntmachung § 160 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GWB)
- Beispiele: unklare Leistungsbeschreibung diskriminierende Anforderungen unzulässige Eignungs-Kriterien

### Konstellation 2 — Erkennbarer Vergabeunterlagen-Fehler

- Frist: vor Ablauf der Angebots-Abgabe (§ 160 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 GWB)
- Beispiele: Wertungsschema unklar Sicherheitsleistung überzogen Vertragsklauseln zu Lasten Bieter

### Konstellation 3 — Anderweitiger Vergabeverstoß

- Frist: unverzüglich nach Kenntnisnahme (§ 160 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 GWB)
- Beispiele: Falscher Wertungsschritt Bewertungsfehler Submission-Manipulation

### Anders bei Nicht-Abhilfe

- Antrag fünfzehn Kalendertage nach Nichtabhilfe-Mitteilung (§ 160 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 GWB)

## Schritt 2 — Form der Rüge

- **Schriftlich**: Brief, Fax, qualifiziert elektronische Signatur, ePost
- **Klare Bezeichnung als Rüge** — nicht im allgemeinen Schriftwechsel verstecken
- **Empfangs-Nachweis** sicherstellen

## Schritt 3 — Aufbau Rüge-Schriftsatz

### Adressat

- Vergabestelle des öffentlichen Auftraggebers — exakt nach Bekanntmachung
- Falls Vergaberechtszuständigkeit-Aufteilung — übergeordnete Behörde nachrichtlich

### Betreff

- Vergabeverfahren mit Az und Bezeichnung
- "Rüge gem. § 160 Abs. 3 GWB"

### Sachverhalt

- Knapp und präzise
- Bekanntmachung-Datum, eigene Beteiligung, Stand des Verfahrens

### Vergabeverstoß

- **Konkrete Norm** benennen (VgV / VOB/A-EU / SektVO / GWB)
- **Konkreter Verstoß-Sachverhalt** beschreiben
- **Beweis-Bezug** wenn möglich

### Antrag

- Abhilfe (konkrete Bezeichnung was zu tun)
- Hilfsweise: Aufhebung des Verfahrens
- Bei besonders schwerem Verstoß: Wiederaufnahme von Zwischen-Schritten

### Hinweis Frist

- "Sollte die Abhilfe nicht erfolgen, werden wir den Nachprüfungs-Antrag binnen fünfzehn Kalendertagen einreichen."

## Schritt 4 — Konkrete Beispiele

### Beispiel 1 — Unklare Leistungsbeschreibung

```
Sehr geehrte Damen und Herren,

in Bezug auf das Vergabeverfahren [Az] [Bezeichnung] ruegen wir
einen Verstoss gegen § 121 Abs. 1 GWB iVm § 31 Abs. 1 VgV.

In der Leistungsbeschreibung Ziff. [X] wird die geforderte
[Eigenschaft] nicht hinreichend bestimmt definiert. Konkret
ist unklar, ob [A] oder [B] gemeint ist. Der Bieter kann
mangels Bestimmtheit nicht zuverlaessig kalkulieren.

Wir bitten um Abhilfe durch praezisierte Leistungsbeschreibung
binnen [Frist].

Sollte keine Abhilfe erfolgen, werden wir nach § 160 Abs. 3 GWB
binnen fuenfzehn Kalendertagen den Nachpruefungsantrag bei der
zustaendigen Vergabekammer einreichen.

Mit freundlichen Gruessen
```

### Beispiel 2 — Diskriminierende Eignungs-Anforderung

```
Wir ruegen die Eignungs-Anforderung in Ziff. [X] der
Vergabeunterlagen als Verstoss gegen § 122 Abs. 4 GWB
iVm § 46 VgV.

Konkret wird die Vorlage einer Referenz im Umfang von
EUR [Betrag] aus dem Jahr [Y] verlangt. Diese Anforderung
ist nicht verhaeltnismaessig zum Auftragsvolumen und
schliesst Bieter mit gleich-geeigneter Erfahrung in
anderen Konstellationen aus.

Wir bitten um Abhilfe durch Streichung bzw. Anpassung der
Anforderung.
```

### Beispiel 3 — Ungewöhnlich niedriges Angebot

```
Wir ruegen das Versaeumnis der Pruefung des Angebots des
Bieters [X] auf ungewoehnlich niedrigen Preis nach § 60 VgV.

Das Angebot liegt [Prozent] unter dem Durchschnitt der
uebrigen Angebote. Unter Beruecksichtigung der Lohn- und
Materialkosten der Branche ist eine ordnungsgemaesse
Auftragserfuellung zu diesem Preis nicht plausibel.

Die Aufklaerungs-Pflicht des Auftraggebers nach § 60 VgV
ist nicht erfuellt worden. Wir bitten um nachtraegliche
Pruefung und ggf. Ausschluss des Bieters.
```

## Schritt 5 — Bei Nicht-Abhilfe

### Nichtabhilfe-Mitteilung erkennen

- Klare schriftliche Ablehnung
- Schweigen über Wochen kann als Nichtabhilfe gewertet werden
- Bei mehrdeutiger Antwort Nachfrage

### Frist fünfzehn Kalendertage

- Eindeutige Zählung — auch Wochenenden
- Bei kurzem Frist-Ablauf sofort Nachprüfungs-Antrag vorbereiten

## Schritt 6 — Zentralstelle Nachprüfungs-Antrag

- **Vergabekammer Bund** für Bundesvergaben
- **Vergabekammer Land** für sonstige (jeweils ein bis zwei je Bundesland)
- **örtlich zuständig** je nach Auftraggeber-Sitz

## Schritt 7 — Strategie

### Pro Rüge

- **Pflicht-Voraussetzung** für Nachprüfung
- **Sensibilisierung** Vergabestelle — manchmal Abhilfe ohne Verfahren
- **Beweissicherung**

### Contra Rüge

- **Bietergemeinschaft riskiert** Beschädigung der Beziehung
- **Andere Bieter** sehen Rüge möglicherweise als Schwäche

### Praktische Empfehlung

- Immer dann rügen wenn ernsthafter Verstoß
- Nicht jeden minor Aspekt rügen
- Klare Sprache wirtschaftliche Argumentation

## Schritt 8 — Häufige Fehler vermeiden

- **Zu späte Rüge** — bei Erkennbarkeit vorher Pflicht zur sofortigen Rüge
- **Zu allgemeine Rüge** — konkrete Norm und Sachverhalt erforderlich
- **Fehlender Antrag** — Abhilfe-Antrag muss erkennbar sein
- **Form-Mangel** — Schriftform Empfangs-Nachweis
- **Zeitliche Lücke** — Frist fünfzehn Kalendertage nicht im Rüge-Verfahren versäumen

## Schritt 9 — Sprache

- Sachlich
- Konkret
- Keine Polemik
- Keine Drohung über die gesetzlich vorgesehenen Folgen hinaus
- Höflich aber bestimmt

## Schritt 10 — Bei Eil-Bedürftigkeit

- Telefon-Vorab-Information Vergabestelle möglich
- Aber Schriftform für die Rüge zwingend
- Bei Zuschlag-Drohung gleichzeitig Nachprüfungs-Antrag vorbereiten

## Ausgabe

- `ruege-{az}.md` mit Beispiels-Mustern
- Konkreter Schriftsatz für den Einzelfall
- Frist im Fristenbuch (fünfzehn Kalendertage)
- Bei Nicht-Abhilfe Nachprüfungs-Antrag-Vorbereitung

## Quellen

- GWB §§ 121 122 134 155 160
- VgV §§ 31 46 60
- VOB/A-EU
- SektVO
- BGH XIII. Zivilsenat (Vergaberecht seit 01.01.2021; vorher X. Zivilsenat)
- OLG Vergabesenate
- Burgi Vergaberecht
