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name: strafrecht-spezial-bestechung-im-geschaeftsverkehr-299-stgb
description: "Bestechung und Bestechlichkeit im geschaeftlichen Verkehr § 299 StGB: Anwendungsfall Verteidigung bei Vorteilszuwendungen zwischen Angestellten und Geschaeftspartnern im privaten Sektor. Pruefraster Wettbewerbsmodell § 299 Abs. 1 Nr. 1 und Geschaeftsherrenmodell Nr. 2 seit Reform 2015 Korruptionsbekaempfungsgesetz. Trade-offs Compliance-Defence Verteidigung Vorsatz. Strafrahmen bis drei Jahre Grundtatbestand drei Monate bis fuenf Jahre in besonders schweren Faellen § 300 StGB. Output Verteidigungsmemo fuer Bauunternehmen Pharma Healthcare Einkaufsabteilungen."
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# Bestechung und Bestechlichkeit im geschaeftlichen Verkehr § 299 StGB

## Worum geht es

Spezial-Mandat: Anklage Korruption im Privatsektor nach § 299 StGB. Klassische Konstellationen: Schmiergelder an Einkaeufer, Kickback-Zahlungen an Vertriebsmitarbeiter, Pharmavertreter an Aerzte/Krankenhausverwaltung (auch § 299a StGB Pflichtgegenstand!), Kickback im Bauwesen, Logistik, IT-Branche. Strafrahmen Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe; besonders schwere Faelle § 300 StGB drei Monate bis fuenf Jahre.

Seit Reform Korruptionsbekaempfungsgesetz 2015 zwei Modelle: Wettbewerbsmodell (Nr. 1) und Geschaeftsherrenmodell (Nr. 2).

## Eingaben

- Anklageschrift, Ermittlungsschrift.
- Geschaeftsbeziehung Bestechender / Bestochener.
- Zahlungsbelege, Vertraege, Email-Verkehr.
- Compliance-Strukturen im Unternehmen.
- Vorgesetzte / Geschaeftsherr Beteiligung / Genehmigung.

## Tatbestand und Auslegung

### § 299 Abs. 1 StGB Nehmer (Bestechlichkeit)

Wer als **Angestellter oder Beauftragter eines Unternehmens** im geschaeftlichen Verkehr **einen Vorteil** fuer sich oder einen Dritten **fordert, sich versprechen laesst oder annimmt**:

1. **Wettbewerbsmodell (Nr. 1):** als Gegenleistung dafuer, dass er bei dem Bezug von Waren oder Dienstleistungen **einen anderen im inlaendischen oder auslaendischen Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge** oder
2. **Geschaeftsherrenmodell (Nr. 2):** als Gegenleistung dafuer, dass er bei dem Bezug von Waren oder Dienstleistungen eine Handlung vornehme oder unterlasse und dadurch seine **Pflichten gegenueber dem Unternehmen verletze**.

### § 299 Abs. 2 StGB Geber (Bestechung)

Spiegelbildlich: Wer im geschaeftlichen Verkehr einem Angestellten oder Beauftragten eines Unternehmens einen Vorteil fuer diesen oder einen Dritten als Gegenleistung dafuer anbietet, verspricht oder gewaehrt.

### Schluesselbegriffe

- **Angestellter / Beauftragter.** Weite Auslegung; auch Vorstand, Geschaeftsfuehrer, freier Berater, ggf. Komplementaer.
- **Vorteil.** Jede Zuwendung mit objektivem Wert: Geld, Sachgeschenke, Einladungen, Reisen, Karrierechancen, Auftrag fuer Angehoerige.
- **Unrechtsvereinbarung.** Verbindung Vorteil ↔ Pflichtwidrigkeit.
- **Pflichtenverletzung.** Beim Geschaeftsherrenmodell genuegt jede dienstrechtliche Pflichtwidrigkeit (Verletzung Compliance-Regeln, Verschwiegenheitspflicht); Wettbewerb nicht zwingend.
- **Geschaeftsherrenmodell** erweiterte Strafbarkeit ohne Wettbewerbsbezug.

### Auslandsbezug § 299 Abs. 3 StGB

Auch fuer auslaendischen Wettbewerb gilt § 299 StGB; Internationalisierung.

## Praktikertipps Verteidigung

- **Unrechtsvereinbarung angreifen.** Hat der Vorteil tatsaechlich Bezug zu konkreter Bevorzugung oder Pflichtverletzung? Bei reinen Klimapflege-Einladungen oder branchenueblichen Zuwendungen Streit. Compliance-Richtlinien des Unternehmens und Branchenusance prueffen.
- **Geringfuegige Zuwendungen.** Sozialadaequanz-Grenze (im Privatsektor restriktiver als bei § 331 StGB); BGH zu Vorgesetztengenehmigung.
- **Genehmigung Geschaeftsherr** im Geschaeftsherrenmodell entlastend: Wenn Vorgesetzter Einladung genehmigt hat, fehlt Pflichtverletzung.
- **Compliance-Programme** als Indiz fuer Sorgfalt; bei wirksamem Compliance-Management seltener Vorsatz nachweisbar.
- **Branchenusancen** (Pharma — beachte zusaetzlich § 299a, § 299b StGB Gesundheitswesen).
- **Verstaendigung § 257c StPO** ueblich bei Compliance-Faellen.

## Trade-off-Matrix

| Strategie | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Bestreiten Unrechtsvereinbarung | Tatbestand entfaellt | Bezug zu konkreter Pflichtverletzung schwer zu widerlegen, wenn Indizien dicht |
| Genehmigung Geschaeftsherr nachweisen | Pflichtverletzung entfaellt (Nr. 2) | Vor Tat erforderlich |
| Sozialadaequanz / Branchenusance | Tatbestand entfaellt | Hohe Hurden im Privatsektor |
| Compliance-Verteidigung | Vorsatz angreifen | Erfordert dokumentiertes System |
| Verstaendigung § 257c StPO | Planbarkeit; Bewaehrungsstrafe | Bindung |
| Schadenswiedergutmachung § 46a StGB | Strafmilderung | Eingestaendnis |

## Konkurrenzen

- **§ 299 StGB / § 263 StGB.** Bei Schaedigung des Geschaeftsherrn durch Pflichtverletzung Idealkonkurrenz.
- **§ 299 StGB / § 266 StGB Untreue.** Sehr haeufig: Bei der Annahme von Kickbacks zugleich Untreue gegenueber Geschaeftsherrn.
- **§ 299 StGB / § 299a, § 299b StGB.** Spezialnorm Gesundheitswesen (Heilberufler) — § 299a/b vorrangig.
- **§ 299 StGB / § 26 GWB UWG.** Ordnungswidrigkeit fuer Unternehmen, parallel.
- **§ 299 StGB / § 333, § 334 StGB.** Bei amtsbezogener Tatbeteiligung Spezialnorm Amtstraegerbestechung.
- **§ 299 StGB / § 261 StGB Geldwaesche.** Nach Reform 2021.
- **§ 299 StGB / § 30 OWiG.** Verbandsgeldbusse fuer Unternehmen.

## Strafzumessung und Folgen

- **Strafrahmen** Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe.
- **§ 300 StGB besonders schwere Faelle:** Drei Monate bis fuenf Jahre. Regelbeispiele: grosser Vorteil, gewerbsmaessig, Bandenmaessig.
- **§ 46 StGB** Hoehe Vorteil, Wettbewerbsstoerung, Tatdauer, Compliance-Defizite, Wiedergutmachung.
- **Einziehung § 73 StGB** Tatertrag (auch der Schmiergelder selbst beim Nehmer, im Wettbewerbsmodell Geschaeftserloese beim Geber moeglich).
- **Berufsverbot § 70 StGB** insbes. bei Einkaufs-/Vertriebsfunktion.
- **Verbandsgeldbusse § 30 OWiG** bis 10 Mio. EUR plus Abschoepfung.
- **Vergaberechtliche Folgen** Ausschluss von Vergabeverfahren § 124 GWB (Schwarze Liste Wettbewerbsregister WReg).
- **Disqualifikation Geschaeftsleitung § 6 GmbHG / § 76 AktG** bei Verurteilung wegen § 299 StGB (5 Jahre).

## Mustertexte

### Bestreiten Unrechtsvereinbarung

"Eine Unrechtsvereinbarung im Sinne von § 299 Abs. 1 StGB wird bestritten. Die in der Anklage genannten Einladungen zur Hannover Messe 2023 und 2024 erfolgten im Rahmen branchenueblicher Geschaeftspflege; eine konkrete Bevorzugung des [Unternehmen] bei der Auftragsvergabe ist nicht ersichtlich. Die fragliche Auftragsentscheidung am [Datum] beruhte auf einem Drei-Angebot-Vergleich, dokumentiert in der Anlage K-3, die das niedrigste Angebot rechtfertigt."

### Genehmigung Geschaeftsherr

"Der Mandant hat die in der Anklage bezeichnete Einladung zur EM 2024 vor Annahme dem Vorgesetzten [Name] vorgelegt und schriftlich genehmigen lassen (Anlage K-2, E-Mail vom [Datum]). Eine Pflichtverletzung gegenueber dem Unternehmen im Sinne von § 299 Abs. 1 Nr. 2 StGB liegt damit nicht vor."

## Querverweise

- `strafrecht-spezial-vorteilsannahme-gewaehrung-331-333-stgb`
- `strafrecht-spezial-amtstraegerbestechung-332-334-stgb`
- `strafrecht-spezial-wirtschaftliche-bestechung-amtsverhaeltnis`
- `strafrecht-spezial-geldwaesche-261-stgb-neu-2021`
- `strafrecht-spezial-verbandssanktionengesetz-stand-2026`

## Quellen Stand 06/2026

- § 299 StGB Stand 06/2026 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__299.html.
- § 300 StGB besonders schwere Faelle https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__300.html.
- §§ 299a, 299b StGB Gesundheitswesen.
- Korruptionsbekaempfungsgesetz vom 20.11.2015 (BGBl. I S. 2025) — Reform § 299 StGB (Geschaeftsherrenmodell).
- BGH staendige Rspr. zur Unrechtsvereinbarung; Aktenzeichen vor Verwendung verifizieren.
- § 30 OWiG Verbandsgeldbusse; § 124 GWB Vergabeausschluss; § 6 GmbHG.
- references/zitierweise.md.
