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name: strafrecht-spezial-btmg-nicht-geringe-menge-grenzen
description: "Praxis-Mengen-Tabelle nicht geringe Menge: Cannabis, Heroin, Kokain, Amphetamin, MDMA, Methamphetamin, LSD. BGH-Faustregeln zur Wirkstoffmenge. Berechnungsformel, Streckmittel, Mischpraeparate. Pruefraster fuer Verteidiger."
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# BtMG: Mengen-Tabelle nicht geringe Menge

## Worum geht es

Die "nicht geringe Menge" ist keine Zahl im Gesetz. Sie wird durch staendige Rechtsprechung des BGH definiert — fuer jeden Wirkstoff einzeln, jeweils orientiert an Konsumeinheiten und Toxizitaet. Dieser Skill bietet die Praxis-Mengen-Tabelle und die Berechnungsformel. Alle Werte sind BGH-Faustregeln und unbedingt mit aktueller Rechtsprechung zu verifizieren.

## Tatbestand und Stoffliche Erfassung

Die nicht geringe Menge ist Tatbestandsmerkmal von:
- § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG (Verbrechen Heroin/Kokain etc.)
- § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG (banden-)
- § 30a Abs. 1, 2 BtMG (schwerer Banden- und Waffenhandel)
- § 34 Abs. 3 KCanG (Cannabis nach Reform)
- § 35 Abs. 1 Nr. 4 KCanG (Cannabis schwere Faelle)

Massgeblich ist die Wirkstoffmenge des reinen Wirkstoffs (Hydrochlorid, Base, freier Wirkstoff), nicht das Bruttogewicht der Konsumform.

## Mengen und Schwellen

Faustregeln BGH-Linie (Werte aus staendiger Rspr.; bei jedem konkreten Fall die aktuelle BGH-Linie verifizieren — die Schwellen koennen sich durch neue Entscheidungen verschieben):

| Stoff | Bezugsgroesse | Nicht geringe Menge | Konsumeinheiten ca. |
|---|---|---|---|
| Heroin | Heroinhydrochlorid (HHC) | 1.5 g HHC | 100 KE a 15 mg |
| Kokain | Kokainhydrochlorid (KHC) | 5 g KHC | 100 KE a 50 mg |
| Amphetamin | Amphetaminbase | 10 g Base | 100 KE a 100 mg |
| Methamphetamin | Methamphetamin-Base | 5 g Base | 200 KE a 25 mg |
| MDMA / Ecstasy | MDMA-Base | 30 g MDMA-Base | 100 KE a 300 mg |
| LSD | LSD-Base | 6 mg LSD-Base | 300 KE a 20 ug |
| Cannabis (vor 01.04.2024) | THC | 7.5 g THC | 500 KE a 15 mg |
| Cannabis nach KCanG | THC | BGH-Linie KCanG verifizieren | abhaengig vom Wirkstoffgehalt |
| Psilocybin (Pilze) | Psilocybin | 1.2 g Psilocybin | ca. 120 KE |
| Tilidin / Buprenorphin | Wirkstoffbase | im Einzelfall mit BGH verifizieren | |
| GHB / GBL | GHB | nicht etabliert; "geringe Menge" einzeln pruefen | |

**Berechnungsformel:**

Wirkstoffmenge (g) = Bruttogewicht (g) x Wirkstoffgehalt (%) / 100

Beispiel: 100 g Kokain, Wirkstoffgehalt 60 Prozent KHC = 60 g KHC = 12-fache nicht geringe Menge.

**Mehrfache nicht geringe Menge:** Die Vielfachzahl ist Strafzumessungsfaktor:
- 1 bis 3-fache: untere Strafrahmen-Haelfte
- 3 bis 10-fache: mittlere Strafzumessung
- 10 bis 100-fache: oberer Strafrahmen, oft auch § 30a BtMG zusaetzlich
- ueber 100-fache: in der Regel hoher Strafrahmen, § 30 / § 30a BtMG

## Praktikertipps der Verteidigung

- **Wirkstoffgutachten anfechten:** Probenlagerung, Eichung, akkreditiertes Labor, Zweitprobe.
- **Mehrere Pakete getrennt bewerten:** Bei mehreren Behaeltnissen kann die Einzelmenge unterhalb der Schwelle bleiben; Vorsatz hinsichtlich Gesamtmenge bestreitbar.
- **Streckmittel:** Bei Heroin oft hoher Streckmittelanteil (Koffein, Paracetamol). Wirkstoffmenge sinkt entsprechend.
- **Konsumform vs. Reinstoff:** Eine MDMA-Tablette enthaelt 100-200 mg MDMA-Base. 100 Tabletten = 10-20 g MDMA-Base = 1/3 bis 2/3 der nicht geringen Menge. Im Einzelfall kalkulieren.
- **Mischpraeparate:** Bei Polytoxikomanie und Stoffgemischen jede Substanz einzeln bewerten; Schwelle gilt pro Stoff, kein Addieren.
- **THC-Anteil Cannabis:** Anteilsstreuung bei Cannabis erheblich (Bluetenstaende: 5-25 Prozent THC; Haschisch: 5-40 Prozent THC). Stets durch Wirkstoffanalyse belegen.

## Trade-off-Matrix

| Strategie | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Wirkstoffanalyse anfechten | Mengenfrage in Frage stellen | Hoher Gutachtenaufwand |
| Mehrere Pakete getrennt | Vorsatzfrage | Erfordert Plausibilitaet (zeitliche, raeumliche Trennung) |
| Eigenkonsum-Verteidigung | Strafmilderung | Bei mehrfacher nicht geringer Menge schwer plausibel |
| Aufklaerungshilfe § 31 BtMG | Strafrahmenverschiebung | Belastung Dritter |
| Minder schwerer Fall | Bewaehrung wieder moeglich | Voraussetzungen restriktiv |

## Konkurrenzen

- Mengenkennziffer in § 29a, § 30, § 30a BtMG, § 34 Abs. 3, § 35 KCanG durchgehend "nicht geringe Menge" — gleiche Berechnungsgrundlage.
- Mehrfache nicht geringe Menge ist Strafzumessungsgrund innerhalb des Strafrahmens.

## Strafzumessung und Therapie statt Strafe

- Strafzumessung im Strafrahmen je nach Vielfaches der nicht geringen Menge.
- BGH: Auch eine knapp ueberschrittene nicht geringe Menge kann einen minder schweren Fall begruenden; staendige Rspr. zur Schwellen-Naehe.
- § 35 BtMG bei Reststrafe bis zwei Jahre.
- § 31 BtMG Aufklaerungshilfe besonders bei mehrfacher nicht geringer Menge wichtig.

## Mustertexte

**Schriftsatz Wirkstoffmengen-Berechnung:**
"Die Wirkstoffmenge berechnet sich wie folgt:
- Sichergestelltes Bruttogewicht: [X] g
- Wirkstoffgehalt laut Gutachten Dr. [Name] vom [Datum]: [Y] Prozent
- Wirkstoffmenge: [X] g x [Y] Prozent = [Z] g [Stoff].
Die nicht geringe Menge ([Schwelle] g) wird damit [Faktor]-fach erreicht/unterschritten. Mein Mandant bestreitet die Wirkstoffberechnung im Detail (Anlage: Gegengutachten Prof. [Name])."

## Querverweise

- `strafrecht-spezial-btmg-29-grundtatbestand`
- `strafrecht-spezial-btmg-29a-nicht-geringe-menge`
- `strafrecht-spezial-btmg-30-handeltreiben`
- `strafrecht-spezial-btmg-30a-schwerer-bandenhandel`
- `strafrecht-spezial-btmg-31-aufklaerungshilfe-kronzeuge`
- `strafrecht-spezial-kcang-strafvorschriften-34-35-kcang`
- `strafrecht-spezial-btmg-strafverfahren-praxis`

## Quellen Stand 06/2026

- BGH staendige Rspr. zur nicht geringen Menge jeweils stoffbezogen:
  - Heroin 1.5 g HHC: BGH-Linie verifizieren
  - Kokain 5 g KHC: BGH-Linie verifizieren
  - Amphetamin 10 g Base: BGH-Linie verifizieren
  - MDMA 30 g Base bzw. 100 KE: BGH-Linie verifizieren
  - LSD 6 mg / 300 KE: BGH-Linie verifizieren
  - Cannabis (vor KCanG) 7.5 g THC: BGH 1 StR 386/03 — Aktenzeichen mit BGH-Linie verifizieren
  - Cannabis nach KCanG: aktuelle BGH-Entscheidungen abwarten
- BGH zur Berechnung bei Streckmitteln (Wirkstoffgehalt, nicht Bruttogewicht).
- BGH zur Vorsatzanforderung bei nicht geringer Menge (dolus eventualis).
- §§ 29a, 30, 30a BtMG sowie §§ 34, 35 KCanG.
- Methodik siehe `references/methodik-buergerliches-recht.md`.
- Zitierregeln siehe `references/zitierweise.md`.
- WICHTIG: Alle Wirkstoffmengen sind staendige BGH-Rechtsprechung, nicht Gesetzestext. Vor Anwendung im konkreten Fall jeweils aktuelle BGH-Linie verifizieren.
