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name: strafrecht-spezial-rechtsbeugung-339-stgb
description: "Rechtsbeugung nach Paragraph 339 StGB. Sonderdelikt fuer Richter Schiedsrichter und sonstige Amtstraeger im Rechtsbeugungs-Sinne. Beugen des Rechts zugunsten oder zum Nachteil einer Partei. Sperrwirkung in der Praxis hohe Anforderungen an Vorsatz BGH staendige Rspr. Verteidigung bei Verfahrenstaktik."
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# Rechtsbeugung nach Paragraph 339 StGB

## Worum geht es

Paragraph 339 StGB ist das **schwerste Amtsdelikt** im deutschen Strafrecht. Sanktioniert wird, wer als Richter, Schiedsrichter oder anderer Amtstraeger bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache **sich der Rechtsbeugung zugunsten oder zum Nachteil einer Partei schuldig macht**. Geschuetztes Rechtsgut: die innere Rechtsordnung und das Vertrauen in die unabhaengige Rechtspflege.

Anwendungsfaelle: Richter erlaesst zugunsten eines Freundes oder Verwandten einen unrichtigen Beschluss; bewusste Falschdarstellung des Sachverhalts im Urteil; Staatsanwalt manipuliert Ermittlungsergebnisse; Schiedsrichter entscheidet wider die Beweislage gegen Bezahlung. **Die Schwelle in der Praxis ist sehr hoch**: BGH verlangt einen **schwerwiegenden, offensichtlichen Verstoss gegen das Recht** mit Vorsatz.

## Tatbestand und Auslegung

### Tauglicher Taeter

- **Richter** im Sinne des GVG (Berufsrichter und ehrenamtliche Richter wie Schoeffen).
- **Schiedsrichter** in einem privaten Schiedsverfahren.
- **Anderer Amtstraeger** bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache. Erfasst sind insbesondere **Staatsanwaelte** bei der Anklageerhebung oder Verfahrensentscheidung, **Finanzbeamte** bei Steuerfestsetzungen, **Standesbeamte** in entsprechenden Verfahren. Streit besteht im Detail; **Rechtspfleger** sind im Bereich richterlicher Funktionen als Amtstraeger erfasst.

### Bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache

Erfasst ist nicht nur die Endentscheidung, sondern jede Verfahrenshandlung mit rechtsgestaltender Wirkung — Beweisanordnung, Zeitpunkt der Hauptverhandlung, Aussetzungsentscheidungen.

### Rechtsbeugung — der elementare Verstoss

Rechtsbeugung ist ein **bewusster, schwerwiegender Verstoss gegen geltendes Recht**. BGH staendige Rspr. fordert eine **offensichtliche, schwerwiegende Pflichtverletzung**. Ein blosser Rechtsirrtum oder Vertretbarkeitsstreit reicht nicht. Die Schwelle wurde nach den DDR-Justizverfahren bewusst hoch angesetzt, um die Unabhaengigkeit der Justiz zu schuetzen.

Kriterien:

- Verstoss gegen klar formulierte Gesetzesnorm.
- Bewusstsein des Verstosses.
- Nicht-Vertretbarkeit der Auslegung — nicht nur eine moegliche unter mehreren Auslegungen, sondern jenseits dessen, was juristisch noch vertretbar ist.

### Zugunsten oder zum Nachteil einer Partei

Die Rechtsbeugung muss eine konkrete Partei beguenstigen oder belasten. Bei "neutralen" Fehlern ohne Parteibezug greift Paragraph 339 StGB nicht.

### Subjektiver Tatbestand

**Direkter Vorsatz** bezueglich der Pflichtwidrigkeit ist nach hM erforderlich (Streitstand!). Dolus eventualis genuegt nach Teil der Lit. nicht; BGH fordert "sicheres Wissen um die Pflichtwidrigkeit". Hohe Schwelle als Schutz der richterlichen Unabhaengigkeit.

## Praktikertipps Verteidigung

- **Vorsatz konsequent angreifen.** BGH staendige Rspr. fordert direktes Wissen um die Pflichtwidrigkeit; Mandant haette die Rechtsauffassung fuer vertretbar halten muessen. Bei Streitstand in der Lit. oder OLG-Rspr. ist Vertretbarkeit regelmaessig zu bejahen.
- **Vertretbarkeitsspielraum nutzen.** Auch fragwuerdige, aber juristisch begruendbare Entscheidungen sind nicht Rechtsbeugung. Sachverstaendigengutachten zur Vertretbarkeit der Entscheidungslinie kann entlastend wirken.
- **Verfahrensfehler trennen von Materialer Rechtsbeugung.** Nicht jeder Verfahrensfehler ist Rechtsbeugung. Schlampige Verfahrensfuehrung ist Dienstvergehen, nicht Strafbarkeit.
- **DDR-Justizverfahren als Praezedenz.** BGH hat in den Verfahren gegen ehemalige DDR-Richter (sog. Mauerschuetzen-Justiz) die Schwelle sehr hoch gesetzt; Bezugnahme moeglich.
- **Parteibezug bestreiten.** Wenn die Entscheidung niemand konkret schaedigte, fehlt das Tatbestandsmerkmal.
- **Disziplinarrecht ist Auffanglinie.** Wenn nicht strafrechtlich erfasst, droht Disziplinarverfahren mit Suspendierung oder Entlassung.

## Trade-off-Matrix

| Pfad A Bestreiten Pflichtverletzung | Pfad B Bestreiten Vorsatz / Vertretbarkeit | Empfehlung |
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| Riskant, wenn objektive Pflichtverletzung klar; Sachverstaendigengutachten dafuer noetig. | Hochwirksam: BGH verlangt direkten Vorsatz und Offensichtlichkeit; Vertretbarkeitsverteidigung trifft Kern der Rspr. | Pfad B ist die uebliche und meist erfolgreiche Linie. Vertretbarkeitsspielraum der Auslegung breit darstellen. |

## Konkurrenzen

- **Paragraph 339 StGB und Paragraph 340 StGB Koerperverletzung im Amt.** Tatmehrheit moeglich, wenn neben Rechtsbeugung auch koerperliche Misshandlung.
- **Paragraph 339 StGB und Paragraph 348 StGB Falschbeurkundung im Amt.** Tatmehrheit moeglich, wenn Rechtsbeugung durch Beurkundungsfehler erfolgt.
- **Paragraph 339 StGB und Paragraph 263 StGB Betrug.** Tateinheit moeglich bei Vermoegensbezug.
- **Paragraph 339 StGB und Paragraph 332 StGB Bestechlichkeit.** Tatmehrheit; oft gemeinsam (Bestechungsgeld + Rechtsbeugung).
- **Paragraph 339 StGB ist primaer.** Andere Verfahrensdelikte des Amtstraegers treten zurueck.

## Strafzumessung und Folgen

- **Strafrahmen:** Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fuenfzehn Jahren. Geldstrafe nicht moeglich.
- **Bewaehrungsfaehigkeit:** bei Mindeststrafe 1 Jahr nur in Ausnahmefaellen; bei Strafen ueber 2 Jahre nicht moeglich.
- **Berufsverbot Paragraph 70 StGB** zwingend bei Verurteilung — Richter oder Beamter verliert Amt nach Paragraph 24 DRiG bzw. Paragraph 41 BBG.
- **Disziplinarrechtliche Folgen** vorgesehen ueber Paragraph 33 BeamtStG (Entfernung aus dem Beamtenverhaeltnis).
- BZRG-Eintrag zwingend.
- **Sperre fuer Bestellung als Anwalt** ueber Paragraph 7 BRAO moeglich.

## Mustertexte

**Schriftsatz-Snippet (Vertretbarkeit):** "Die meinem Mandanten zur Last gelegte Auslegung von Paragraph X im Beschluss vom DD.MM.JJJJ entspricht der von einem Teil der Lit. (Mueller in: Kommentar zu Paragraph X, Rn 12) und der OLG-Rspr. des OLG Y vertretenen Linie. Sie ist damit jedenfalls vertretbar; eine schwerwiegende, offensichtliche Pflichtverletzung im Sinne der BGH staendigen Rspr. liegt nicht vor."

**Hilfsbeweisantrag:** "Es wird beantragt, ein Sachverstaendigengutachten eines Hochschullehrers fuer Strafrecht oder Strafprozessrecht einzuholen zum Beweis der Tatsache, dass die meinem Mandanten zur Last gelegte Verfahrensentscheidung vertretbar war."

**Einlassungs-Snippet (Vorsatzausschluss):** "Ich habe die Entscheidung im guten Glauben getroffen, dass meine Auslegung der Norm rechtlich vertretbar sei. Ich habe vor der Entscheidung am DD.MM.JJJJ mit dem Vorsitzenden Richter X die Auslegungsfrage besprochen; er hat mir bestaetigt, dass die von mir gewaehlte Auslegung in seiner Spruchpraxis ebenfalls vorkommt."

## Querverweise

- `strafrecht-spezial-amtsdelikte-340-stgb-koerperverletzung-im-amt`
- `strafrecht-spezial-falschbeurkundung-348-stgb-und-271-stgb`
- `strafrecht-spezial-amtstraegerbestechung-332-334-stgb`

## Quellen Stand 06/2026

- Paragraph 339 StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de; dejure.org).
- BGH staendige Rspr. zur hohen Schwelle der Rechtsbeugung (offensichtliche, schwerwiegende Pflichtverletzung).
- BGH staendige Rspr. zum direkten Vorsatzerfordernis.
- BGH-Linie aus den DDR-Justizverfahren (Mauerschuetzen-Justiz; Hochverratsverfahren).
- Paragraph 24 DRiG Amtsverlust bei Verurteilung; Paragraph 41 BBG fuer Beamte.
- Paragraph 33 BeamtStG Disziplinarrecht.
- Paragraph 70 StGB Berufsverbot.
- Paragraph 7 BRAO Sperre als Anwalt.
- BVerfG staendige Linie zur Schutzwirkung der richterlichen Unabhaengigkeit (Art 97 GG).
