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name: strafrecht-spezial-vorenthalten-arbeitgeberanteile-266a-stgb
description: "Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt nach Paragraph 266a StGB. Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung als geschuetztes Vermoegen. Faellligkeit am drittletzten Bankarbeitstag. Persoenliche Haftung des Geschaeftsfuehrers in der Krise. Abgrenzung zu Paragraph 15a InsO und Paragraph 283 StGB."
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# Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt nach Paragraph 266a StGB

## Worum geht es konkret

Paragraph 266a StGB ist die wichtigste praktische Strafnorm der Wirtschaftskrise. Anwendungsfall: GF einer GmbH zahlt die monatliche Sozialversicherungsabgabe an die Einzugsstelle nicht oder verspaetet ab, weil die Liquiditaet nicht reicht. Geschuetzt sind die **Arbeitnehmeranteile** zur Sozialversicherung (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung); der Arbeitgeberanteil ist in Absatz 2 als Steuerhinterziehung-Aequivalent geregelt.

Die Norm wirkt unbarmherzig: Auch in der Krise vor Insolvenzantragstellung muss der GF die Sozialabgaben abfuehren - mit der Folge, dass er bei Krisenmanagement haftet. In der Konkurrenz zu Paragraph 15b InsO Zahlungsverbot herrscht ein normatives Dilemma, das die Rspr. zugunsten von Paragraph 266a StGB aufloest (BGH staendige Rspr.: Sozialabgaben sind privilegiert; Zahlung ist immer pflichtgemaess iSd Paragraph 15b Abs 2 Nr 1 InsO).

## Tatbestand im Detail

### Absatz 1 Vorenthalten von Arbeitnehmerbeitraegen

Strafbar ist, wer als Arbeitgeber der **Einzugsstelle** (Krankenkasse) Beitraege des Arbeitnehmers zur Sozialversicherung einschliesslich der Arbeitsfoerderung vorenthaelt.

Voraussetzungen:

- **Arbeitgeberstellung**: GmbH-GF persoenlich; bei mehreren GF alle gesamtschuldnerisch, faktische GF eingeschlossen (Paragraph 14 StGB).
- **Faelligkeit**: Drittletzter Bankarbeitstag des Monats (Paragraph 23 Abs 1 SGB IV).
- **Vorenthalten** = Nichtabfuhrung trotz Faelligkeit. Auch verspaetete Zahlung ist Vorenthalten, wenn sie nicht binnen weniger Tage erfolgt.
- **Vorsatz**: Eventualvorsatz reicht. GF muss wissen, dass Sozialabgaben fuer den Monat anfallen.

### Absatz 2 Vorenthalten von Arbeitgeberanteilen mit Tauschung

Strafbar ist, wer als Arbeitgeber:

- **Nr. 1**: durch unrichtige oder unvollstaendige Angaben gegenueber der Einzugsstelle ueber sozialversicherungsrechtlich erhebliche Tatsachen Beitraege des Arbeitgeberanteils vorenthaelt;
- **Nr. 2**: trotz Verpflichtung diese Tatsachen pflichtwidrig nicht angibt.

Schutzgut ist die korrekte Beitragsermittlung. Die Norm ist im Kern eine "Steuerhinterziehung" der Sozialversicherung.

### Absatz 3 Sozialversicherungsbetrug durch Schwarzarbeit

Erfasst Faelle der Schwarzarbeit ohne Beitragsabfuhrung.

### Absatz 5 wiederholt strafbar

Wer nach einer Verurteilung wegen Vorenthaltens innerhalb 5 Jahre erneut Sozialabgaben vorenthaelt, mit Mindeststrafe.

### Absatz 6 taetige Reue

Wer die vorenthaltenen Beitraege innerhalb der Faelligkeit nachzahlt und der Einzugsstelle die zur Bemessung erforderlichen Angaben rechtzeitig macht, geht straffrei aus. Wichtiges Verteidigungsinstrument.

## Praktikertipps der alten Hasen

- **Taetige Reue Paragraph 266a Abs 6 StGB.** Wenn der Mandant noch zahlen kann, sofort die rueckstaendigen Beitraege ueberweisen und die Einzugsstelle informieren. Strafbefreiung wirkt nur, wenn beides erfolgt.
- **Liquiditaetsstatus am Faelligkeitstag rekonstruieren.** Wenn am drittletzten Bankarbeitstag tatsaechlich kein Geld da war, ist Vorsatz angreifbar. BGH-Linie: Bei evidenter Zahlungsunfaehigkeit erst ab Eintritt der Krise.
- **Pflichtenkollision Paragraph 15b InsO.** Streit: Wenn GF in Krise war, durfte er ueberhaupt zahlen? BGH staendige Rspr.: Sozialabgaben gehen Paragraph 15b InsO vor; Zahlung ist pflichtgemaess.
- **Faktische GF erfasst.** Wer faktisch die Geschaefte fuehrt (ohne Eintragung), ist Arbeitgeber iSd Paragraph 266a StGB. Verteidigung: Strohmann-Konstellation darlegen.
- **Verjaehrungsbeginn.** Jeder Monat ist eigene Tat. Verjaehrung beginnt mit Eintritt der Faelligkeit. 5 Jahre Verfolgungsverjaehrung (Paragraph 78 Abs 3 Nr 4 StGB).

## Trade-off-Matrix

| Pfad A Nachzahlung + Reue | Pfad B Krise vorhanden + Pflichtenkollision | Empfehlung |
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| Bei zahlungsfaehigem Mandanten, der versaeumt hat | Bei Mandanten in Liquiditaetskrise, die wirklich nicht konnten | Pfad A regelmaessig erste Wahl wegen Strafbefreiung. Pfad B Auffanglinie. |

## Konkurrenzen

- **Paragraph 266a StGB und Paragraph 15a InsO.** Tatmehrheit. GF, der Insolvenz verschleppt und Sozialabgaben nicht zahlt, traegt beide Vorwuerfe.
- **Paragraph 266a StGB und Paragraph 283 StGB.** Wenn die nicht abgefuehrten Sozialabgaben gleichzeitig Bankrotthandlung sind (Beiseiteschaffen), Tateinheit.
- **Paragraph 266a StGB und Paragraph 266 StGB Untreue.** Bei eigennuetzigem Verhalten des GF: Tateinheit.
- **Paragraph 266a StGB und Paragraph 370 AO Steuerhinterziehung.** Lohnsteuer und Sozialabgaben oft parallel hinterzogen; Tateinheit.

## Strafzumessung und Folgen

- Absatz 1, 2 vorsaetzlich: Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe.
- Absatz 4 (besonders schwerer Fall): Freiheitsstrafe 6 Monate bis 10 Jahre - Regelbeispiel "in grossem Ausmass" (BGH-Schwelle ca. EUR 50.000 nach staendiger Rspr.).
- Versuch nicht strafbar.
- **Einziehung Paragraph 73 StGB**: bei Paragraph 266a StGB schwierig, weil "erlangtes" Vermoegen oft im Geschaeftsbetrieb steckt. Wertersatz nach Paragraph 73c StGB.
- **Sperre Paragraph 6 Abs 2 Satz 2 Nr 3 GmbHG**: 5 Jahre als GF.
- **Zivilrechtlich**: Persoenliche Haftung des GF gegenueber Einzugsstelle aus Paragraph 823 Abs 2 BGB iVm Paragraph 266a StGB als Schutzgesetz (BGH staendige Rspr.).
- BZRG-Eintrag.

## Mustertexte

**Schutzschrift-Snippet:** "Mein Mandant hat die Beitraege zur Sozialversicherung fuer Maerz 2026 (Faelligkeit DD.MM.JJJJ) nachgezahlt (Anlage SS 1) und der Einzugsstelle die Beitragsabrechnung zugesandt (Anlage SS 2). Die Voraussetzungen der taetigen Reue nach Paragraph 266a Abs 6 StGB sind erfuellt; Strafbefreiung tritt ein."

**Einlassungs-Snippet:** "Am drittletzten Bankarbeitstag im Maerz 2026 betrug der Saldo auf dem Geschaeftskonto EUR 2.500. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt offene Lieferantenrechnungen ueber insgesamt EUR 35.000 und sah keine Moeglichkeit, die Sozialabgaben in Hoehe von EUR 18.000 abzufuehren. Ich habe sofort am DD.MM.JJJJ Insolvenzantrag gestellt."

**Hilfsbeweisantrag:** "Es wird beantragt, Beweis durch Verlesung der Kontoauszuege der Y-Bank fuer den Zeitraum DD.MM.JJJJ bis DD.MM.JJJJ zu erheben zum Beweis der Tatsache, dass am drittletzten Bankarbeitstag im Maerz 2026 keine ausreichenden Mittel zur Abfuehrung der Sozialabgaben vorhanden waren."

## Querverweise

- `strafrecht-spezial-bankrott-283-stgb`
- `strafrecht-spezial-insolvenzverschleppung-15a-inso`
- `strafrecht-spezial-zahlungsverbot-15b-inso`
- `strafrecht-spezial-untreue-266-stgb-grundtatbestand`
- `strafrecht-spezial-faktische-geschaeftsfuehrer`

## Quellen Stand 06/2026

- Paragraph 266a StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de).
- Paragraph 23 Abs 1 SGB IV Faelligkeit der Sozialversicherungsbeitraege (drittletzter Bankarbeitstag).
- Paragraph 14 StGB Handeln fuer andere (faktischer GF).
- Paragraph 823 Abs 2 BGB iVm Paragraph 266a StGB Schutzgesetz fuer Sozialversicherungstraeger.
- Paragraph 78 Abs 3 Nr 4 StGB Verfolgungsverjaehrung 5 Jahre.
- BGH staendige Rspr. zur Privilegierung der Sozialabgaben gegenueber Paragraph 15b InsO.
- BGH staendige Rspr. zur Wertgrenze "grosses Ausmass" bei EUR 50.000.
- BGH staendige Rspr. zur Strafbarkeit auch verspaeteter Zahlung.
- BSG-Linie zur Beitragspflicht bei Scheinwerkvertraegen.
