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name: strafrecht-spezial-zinswucher-291-stgb
description: "Wucher § 291 StGB inkl. Mietwucher und Zinswucher: Anwendungsfall Verteidigung bei Vorwurf der Ausnutzung einer Zwangslage Unerfahrenheit Urteilsschwaeche oder erheblichen Willensschwaeche zu auffaelligem Missverhaeltnis zwischen Leistung und Gegenleistung. Pruefraster Vermietung Wohnraum als Wuchertat Sondertatbestand Privatdarlehen Wuchergeschaeft. Strafrahmen bis drei Jahre minderschwerer Fall, bis zehn Jahre bei Bandenstrukturen. Trade-offs Auffaelliges Missverhaeltnis quantifizieren Subjektives Ausnutzen Verteidigung. Output Verteidigungsmemo und Abgrenzung zu § 5 WiStG."
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# Wucher § 291 StGB (Mietwucher, Zinswucher, Lohnwucher)

## Worum geht es

Spezial-Mandat: Anklage Wucher nach § 291 StGB. Klassische Konstellationen:

- **Mietwucher (Sondertatbestand § 291 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB):** Vermietung Wohnraum zu auffaelligem Missverhaeltnis bei Ausnutzung Zwangslage des Mieters.
- **Zinswucher (Nr. 2):** Kreditgewaehrung; Privatdarlehen mit Mondzinsen.
- **Lohnwucher (Nr. 4):** Arbeitsentgelt deutlich unter Tariflohn oder Marktlohn bei Ausnutzung.
- **Sonstige Wuchergeschaefte (Nr. 3):** Sonstige Leistungen (Anwaltsgebuehren, Honorare).

§ 291 StGB ist **Straftat**, abzugrenzen von § 5 WiStG (OWi-Mietpreisueberhoehung — eigener Skill). Strafrahmen Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe; besonders schwerer Fall sechs Monate bis zehn Jahre § 291 Abs. 2 StGB.

## Eingaben

- Anklageschrift, Beweismittel.
- Mietvertrag / Darlehensvertrag / Arbeitsvertrag.
- Marktvergleich (Mietspiegel, marktueblicher Zinssatz, Tariflohn).
- Persoenliche Lage Geschaedigte (Aufenthaltsstatus, Verschuldung, Gesundheit, Sprachkenntnisse, Bildung).
- Vorgeschichte Beziehung Taeter-Opfer.

## Tatbestand und Auslegung

### Tatbestand § 291 Abs. 1 StGB

Wer **die Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermoegen oder die erhebliche Willensschwaeche** eines anderen **ausbeutet**, indem er sich oder einem Dritten:

1. **fuer die Vermietung von Raeumen zum Wohnen** oder damit verbundenen Nebenleistungen,
2. **fuer die Gewaehrung eines Kredits**,
3. **fuer eine sonstige Leistung** oder
4. **fuer die Vermittlung** einer der vorbezeichneten Leistungen

**Vermoegensvorteile versprechen oder gewaehren laesst**, die in einem **auffaelligen Missverhaeltnis** zur Leistung oder ihrer Vermittlung stehen.

### Schluesselbegriffe

- **Zwangslage.** Wirtschaftliche, persoenliche oder psychische Notlage. Bei Wohnraum: drohende Obdachlosigkeit, Aufenthaltssicherung; ein bloss angespannter Wohnungsmarkt reicht nicht (klare Abgrenzung zu § 5 WiStG).
- **Unerfahrenheit / Mangel an Urteilsvermoegen / Willensschwaeche.** Bildung, Alter, Sprache, Suchtdruck.
- **Auffaelliges Missverhaeltnis.**
  - Mietwucher: in der Praxis ab ca. **50 Prozent** ueber Vergleichsmiete (BGH staendige Rspr. zum Mietwucher; Az. vor Verwendung verifizieren); strengere Schwellen als § 5 WiStG (20 Prozent).
  - Zinswucher: **doppelter** marktueblicher Effektivzins oder zwoelf Prozentpunkte ueber dem Markt (BGH zur Sittenwidrigkeit § 138 BGB; im Strafrecht restriktiver, aber Indizwirkung).
  - Lohnwucher: ca. **zwei Drittel** des Tariflohns als Untergrenze (BGH staendige Rspr.).
- **Ausbeuten.** Bewusste Ausnutzung in subjektiver Hinsicht. Vorsatz erforderlich (Eventualvorsatz reicht).

### Qualifikationen § 291 Abs. 2 StGB

Besonders schwerer Fall in der Regel bei:

- gewerbsmaessig,
- Bandenmaessig,
- Wucher in besonders grossem Umfang,
- Wucher mit besonders schweren Folgen fuer den Geschaedigten.

## Praktikertipps Verteidigung

- **Zwangslage angreifen.** Hatten die Geschaedigten Alternativen (andere Wohnung, andere Bank, anderer Job)? Marktvergleich, Online-Recherchen, Alternativangebote.
- **Auffaelliges Missverhaeltnis quantitativ pruefen.** Mietspiegel und Sachverstaendiger; bei knapp ueber 50 Prozent Streit, bei deutlich darunter (z. B. 30 bis 40 Prozent) eher § 5 WiStG.
- **Subjektive Komponente Ausbeuten.** Hatte Vermieter / Kreditgeber Kenntnis der Zwangslage? Bei Standardkonditionen ohne Kenntnis der Lebensumstaende oft fehlend.
- **Marktueblichkeit.** Privatdarlehen koennen hoehere Risikoaufschlaege rechtfertigen — Vergleich mit aehnlich risikobehafteten Kreditprodukten.
- **§ 138 BGB Sittenwidrigkeit** zivilrechtlich pruefen (oft Vorgriff): Bei sittenwidrigem Vertrag ggf. Indiz fuer Strafrechtsvorsatz.
- **Verstaendigung § 257c StPO** bei Einzelfall.

## Trade-off-Matrix

| Strategie | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Zwangslage bestreiten | Tatbestand entfaellt | Belegfaehige Alternativen erforderlich |
| Auffaelliges Missverhaeltnis bestreiten ueber Gutachten | Tatbestand entfaellt | Gutachten teuer |
| Ausbeuten subjektiv verneinen | Vorsatz weg | Beweislast |
| Verlagerung auf § 5 WiStG OWi | OWi statt Straftat | Bussgeld + Mietherabsetzung |
| Schadenswiedergutmachung § 46a StGB | Strafmilderung | Eingestaendnis Wucher |
| Verstaendigung § 257c StPO | Planbarkeit | Bindung |

## Konkurrenzen

- **§ 291 StGB / § 5 WiStG.** § 291 Straftat vorrangig; § 5 nur, wenn § 291-Voraussetzungen nicht vorliegen (kein Ausbeuten, geringeres Missverhaeltnis).
- **§ 291 StGB / § 263 StGB.** Bei Taeuschung ueber Konditionen Tateinheit.
- **§ 291 StGB / § 240 StGB Noetigung.** Bei Druck zur Zustimmung.
- **§ 291 StGB / § 138 BGB.** Zivilrechtliche Nichtigkeit; Rueckforderung nach § 812 BGB.
- **§ 291 StGB / § 23 RDG.** Bei Wucher in Rechtsdienstleistung pruefen.
- **§ 291 StGB / § 261 StGB Geldwaesche.** Nach Reform 2021.

## Strafzumessung und Folgen

- **Strafrahmen** Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe (Grundtatbestand).
- **§ 291 Abs. 2 StGB** besonders schwerer Fall sechs Monate bis zehn Jahre.
- **§ 46 StGB** Umfang Wucher, Anzahl Geschaedigter, Dauer, Wiedergutmachung.
- **Einziehung § 73 StGB** Wuchergewinn (Differenz zum marktueblichen Preis).
- **Berufsverbot § 70 StGB** bei berufsbezogener Tat (Vermieter-Profession, Kreditvermittler).
- **§ 35 GewO** Gewerbeuntersagung.
- **Zivilrechtliche Nichtigkeit** Vertrag § 138 BGB; Rueckforderung; Schadenersatz § 826 BGB.

## Mustertexte

### Bestreiten Zwangslage

"Eine Zwangslage des Mieters [Name] zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses am [Datum] wird bestritten. Aus der vorliegenden Korrespondenz (Anlagen K-1 bis K-4) ergibt sich, dass der Mieter im Zeitraum [...] Wohnungsangebote von [Anzahl] anderen Vermietern erhalten hat. Eine zwingende Annahme der streitgegenstaendlichen Wohnung ist nicht erkennbar. Eine Zwangslage im Sinne der staendigen BGH-Rechtsprechung zu § 291 Abs. 1 StGB ist nicht ersichtlich."

### Bestreiten auffaelliges Missverhaeltnis

"Das in der Anklage behauptete auffaellige Missverhaeltnis von 60 Prozent ueber Vergleichsmiete bestreitet sich. Die heranzuziehende Vergleichsmiete ist anhand des aktuellen Mietspiegels [Stadt] [Jahr] sowie ergaenzend Vergleichswohnungen [Adressen] zu bestimmen. Bei sachgerechter Beruecksichtigung der Sondermerkmale (Ausstattung, Lage, Modernisierungsstand) liegt der vereinbarte Mietzins um weniger als 25 Prozent ueber dem oberen Wert; ein auffaelliges Missverhaeltnis im Sinne der BGH-Rechtsprechung ist damit nicht gegeben."

## Querverweise

- `strafrecht-spezial-mietwucher-5-wistg` — OWi-Variante.
- `strafrecht-spezial-betrug-263-stgb-grundtatbestand`
- `strafrecht-spezial-geldwaesche-261-stgb-neu-2021`
- `fachanwalt-strafrecht-verstaendigung-257c-toa-46a`

## Quellen Stand 06/2026

- § 291 StGB Stand 06/2026 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__291.html.
- BGH staendige Rspr. zu Mietwucher (50-Prozent-Schwelle), Zinswucher (Doppelvermutung) und Lohnwucher (Zwei-Drittel-Grenze); Aktenzeichen vor Verwendung verifizieren.
- § 138 BGB Sittenwidrigkeit; § 812 BGB Rueckforderung; § 826 BGB.
- §§ 46, 46a, 70, 73, 73c StGB.
- § 5 WiStG (Abgrenzung OWi).
- references/zitierweise.md.
