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name: ueberschuldungspruefung-19-inso
description: "Prüfungslinie für stb ueberschuldungspruefung 19 inso im Steuerrecht Anwalt Und Berater: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung. Liefert priorisierten Output mit Norm-Pinpoints, Risikoampel und nächstem Arbeitsschritt."
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# Überschuldungsprüfung § 19 InsO (Steuerberater-Sicht)

## Fachlicher Anker

- **Normen:** § 19 InsO, § 6a, § 28.
- **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen.
- **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten.

## Zweck

Stichtagsbezogene Prüfung, ob bei einer GmbH/UG **rechnerische Überschuldung** vorliegt und ob die **Fortbestehensprognose** positiv oder negativ ausfällt. Pflicht-für den Steuerberater bei jeder Bilanz/SuSa mit Krisensignalen aus `stb-bwa-sus-bilanz-pruefung`. Ergebnis steuert direkt das Warnschreiben an die Geschäftsführung (`stb-warnschreiben-krisensignale`) und damit die eigene Haftungsvermeidung des Steuerberaters.

> Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

## Kaltstart-Rückfragen

1. Welcher Stichtag (typisch: Quartalsende, letzter Bilanzstichtag)?
2. Liegen Jahresabschluss, SuSa und aktuelle BWA vor?
3. Stille Reserven bekannt (Immobilien, Vorräte, immaterielles Vermögen)?
4. Rangrücktritts-/Patronatserklärungen, Gesellschafterdarlehen mit Subordination?
5. Pensionsverpflichtungen (vollständig in Bilanz oder mit Übergangsrecht § 28 EGHGB)?
6. Bestehen aktuell Stundungen FA / Sozialkassen?
7. Sanierungskonzept oder Plan in Arbeit?

## Rechtlicher Rahmen

### Primärnormen

- **§ 19 Abs. 2 InsO** — Überschuldung = Vermögen deckt bestehende Verbindlichkeiten nicht, **es sei denn** Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich (positive Fortbestehensprognose).
- **§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO i.V.m. SanInsKG** — Prognosezeitraum: **24 Monate** für Eröffnungsanträge bis 31.12.2026 (SanInsKG-Verlängerung 12/2023, verlängert durch JStG 2024). Ab 1.1.2027 voraussichtlich Rückkehr zu 12 Monaten — Stichtagsprüfung pflichtig.
- **§ 15a Abs. 1 Satz 1 InsO** — Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung: spätestens **sechs Wochen** ab Eintritt (bei Zahlungsunfähigkeit drei Wochen).
- **§ 15b InsO** — Zahlungsverbote nach Insolvenzreife (löste § 64 GmbHG a.F. ab; SanInsFoG, 1.1.2021).
- **§ 17 InsO** — Zahlungsunfähigkeit als Parallel-Tatbestand.
- **§ 102 StaRUG** — Krisenfrüherkennungspflicht der Geschäftsleitung; Hinweisrecht/-pflicht des Steuerberaters bei wesentlichen Krisensignalen.

### Leitentscheidungen

- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

### Berufsständischer Hintergrund

- **IDW S 11** (Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen, Stand 12.8.2021) — maßgebliche Anleitung für die zweistufige Prüfung.
- **IDW S 6** (Anforderungen an Sanierungskonzepte) — Maßstab für tragfähiges Unternehmenskonzept als Grundlage positiver Fortbestehensprognose.
- **§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB** — Going Concern als handelsbilanzielle Grundsatznorm; nicht identisch mit insolvenzrechtlicher Fortbestehensprognose, aber Indizwirkung.

## Zweistufige Prüfung (IDW S 11)

### Stufe 1 — Fortbestehensprognose (Primärprüfung)

Reihenfolge nach IDW S 11 Rn. 23 ff.: **Erst Prognose, dann Status.** Ist die Fortbestehensprognose positiv, ist § 19 InsO ohne weiteres ausgeschlossen — der rechnerische Überschuldungsstatus ist dann nicht erforderlich.

**Prognose positiv, wenn alle drei Voraussetzungen erfüllt:**

1. **Tragfähiges Unternehmenskonzept** (IDW S 6 — Krisenstadium analysieren, Sanierungsbeitrag aller Stakeholder, Zielbild des sanierten Unternehmens).
2. **Integrierte Planung** über 24 Monate (Ertrag, Liquidität, Bilanz) — Annahmen plausibel, Sensitivität Best/Base/Worst.
3. **Überwiegende Wahrscheinlichkeit** (> 50 %), dass das Unternehmen seine fälligen Zahlungspflichten im Prognosezeitraum erfüllen kann.

**Prüfraster:**

| Element | Status | Bewertung |
|---|---|---|
| Unternehmenskonzept liegt schriftlich vor | ja/nein | nein → Prognose nicht haltbar |
| Krisenstadium identifiziert (Stakeholder-, Strategie-, Ertrags-, Liquiditätskrise) | ja/nein | nein → IDW S 6 nicht erfüllt |
| Integrierte Planung 24 Monate | ja/nein | nein → Prognose technisch nicht möglich |
| Liquidität KW t..t+24 Monate ≥ 0 (Best/Base/Worst) | ja/nein | nein → Negative Prognose indiziert |
| Sanierungsbeitrag aller Stakeholder dokumentiert (Bank, Lieferanten, FA, Gesellschafter) | ja/nein | nein → Konzept nicht tragfähig |
| Annahmen plausibel mit Marktdaten unterlegt | ja/nein | nein → Prognose nicht belastbar |

→ Bei allen ja: **Prognose positiv** → § 19 InsO greift nicht.
→ Bei einem entscheidenden nein: **Prognose negativ** → Stufe 2 Pflicht.

### Stufe 2 — Rechnerische Überschuldung (Status zu Liquidationswerten)

Nur erforderlich, wenn Stufe 1 negativ ist. Bilanz wird zu **Liquidationswerten** umbewertet:

**Aktiva (Liquidationswerte)**

| Position | Bewertung |
|---|---|
| Immaterielle Vermögensgegenstände | regelmäßig 0 EUR (außer einzeln verwertbar mit Markt) |
| Sachanlagen | Liquidations-/Marktwert (kein Buchwert) |
| Vorräte | Marktwert minus Abschlag für Notverkauf |
| Forderungen | Wert minus PWB/EWB; uneinbringliche raus |
| Liquide Mittel | Nennwert |
| Stille Reserven | mit Gutachten/Sachverständigem belegen |

**Passiva — vollständig erfassen**

| Position | Bewertung |
|---|---|
| Verbindlichkeiten LuL | Nennwert |
| Verbindlichkeiten Kredite | Nennwert + Vorfälligkeit |
| Pensionsverpflichtungen | Barwert (Anwartschaftsbarwertverfahren) |
| Rückstellungen (Steuern, Garantien, Prozess) | beste Schätzung |
| Gesellschafterdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt | **nicht** anzusetzen (§ 19 Abs. 2 S. 3 InsO) — Klausel-Prüfung Pflicht |
| Sonstige Verbindlichkeiten | Nennwert |

→ Differenz Aktiva − Passiva:
 - positiv oder ausgeglichen: **rechnerisch nicht überschuldet** (auch wenn Fortbestehensprognose negativ ist, nur Liquidität § 17 InsO prüfen).
 - negativ: **rechnerisch überschuldet** + negative Fortbestehensprognose → **Überschuldung i.S.d. § 19 Abs. 2 InsO** → § 15a InsO Insolvenzantragspflicht der Geschäftsführung.

## Ampel-Klassifikation

| Stufe 1 | Stufe 2 | Status | Ampel | Handlung |
|---|---|---|---|---|
| positiv | (entfällt) | keine Überschuldung | 🟢 grün | Routine |
| nicht eindeutig | nicht durchgeführt | Krisensignal | 🟡 gelb | Mandant zur Klärung |
| negativ | nicht überschuldet | Krise ohne Insolvenzantragspflicht | 🟡 gelb | Sanierungskonzept anregen |
| negativ | überschuldet | Überschuldung § 19 InsO | 🔴 rot | **Sofort** Warnschreiben + anwaltlicher Rat zwingend |

## Workflow-Schritte

### Schritt 1 — Eingangsdaten einsammeln

- Letzter Jahresabschluss
- Aktuelle BWA + SuSa
- Forderungsspiegel (offene Posten Debitoren)
- Verbindlichkeitsspiegel (offene Posten Kreditoren)
- Steuer- und SV-Status (Rückstände, Stundungen, Vollstreckung)
- Bestehende Sanierungs-/Restrukturierungs-Unterlagen, falls vorhanden
- Rangrücktrittserklärungen, Patronate, Bürgschaften

### Schritt 2 — Fortbestehensprognose (Stufe 1)

Anhand IDW S 6 prüfen. Bei Unklarheit oder negativer Tendenz: Mandant darauf hinweisen, dass Stufe 2 zwingend wird und anwaltliche Beratung empfohlen ist.

### Schritt 3 — Rechnerischer Status (Stufe 2)

Nur bei negativer Stufe-1-Prognose. Liquidationswerte ansetzen — stille Reserven nur mit Beleg, sonst weglassen.

### Schritt 4 — Dokumentation

- Aktennotiz Steuerberater (intern): Ergebnis Stufe 1, ggf. Stufe 2, Datum, Datengrundlage.
- Ampel-Klassifikation.
- Bei 🟡/🔴: Mandantenwarnschreiben über `stb-warnschreiben-krisensignale` erzeugen — datiert, mit Eingangsbestätigung, archiviert.

### Schritt 5 — Wiedervorlage

- 🟢 grün: bei nächster turnusmäßiger Bilanz/BWA-Auswertung.
- 🟡 gelb: monatlich.
- 🔴 rot: wöchentlich, bis anwaltliche Beratung erfolgt oder Insolvenzantrag gestellt ist.

## Eigene Haftungsvermeidung Steuerberater

- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- **Form des Hinweises** schriftlich, mit Eingangsbeleg (Einschreiben oder beA an Mandantenvertretung; **kein ELSTER**, da nicht Empfänger Finanzbehörde).
- **Inhalt** klar: konkrete Krisensignale benennen, Empfehlung anwaltlicher Beratung, Hinweis auf § 15a InsO und § 102 StaRUG. Keine eigene rechtliche Beurteilung (§ 5 RDG).
- **Wiedervorlage und erneuter Hinweis** dokumentieren, wenn die Krise fortbesteht.
- **Ohne Hinweis** droht eigene Haftung des Steuerberaters für die Verschleppungsschäden — typische Schadenshöhe sechs- bis siebenstellig.

## Querverweise

- `stb-bwa-sus-bilanz-pruefung` — vorgelagerte Auswertung, die diesen Skill triggert
- `stb-liquiditaetsvorschau-3wochen` — § 17-InsO-Parallelprüfung
- `stb-liquiditaetsvorschau-3-6-12-monate` — integrierte Planung als Basis Stufe 1
- `stb-warnschreiben-krisensignale` — nachgelagerter Skill: Schreibvorlage an Mandant
- `liquiditaetsplanung` (separates Power-Plugin) — gerichtsfeste insolvenzrechtliche Liquiditätsbilanz (BGH-Passiva-II-Schema), bei tiefergehender Begutachtung
- `anw-haftungswarn-15a-inso-mandant` — anwaltliche Spiegel-Variante

## Quellen und Updates

Stand: 05/2026. Maßgebliche Reformen berücksichtigt: SanInsKG (24-Monats-Prognose bis 31.12.2026), SanInsFoG (§ 15b InsO statt § 64 GmbHG a.F.), § 102 StaRUG. Bei Verlängerung/Auslaufen des SanInsKG ab 1.1.2027 Prognosezeitraum-Default zurück auf 12 Monate — bitte Stichtag prüfen.
