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name: ueberwachung-streubreite-vorratsdaten-rasterfahndung
title: 'Überwachung: Streubreite, Vorratsdaten, Rasterfahndung'
description: 'Für Überwachung: Streubreite, Vorratsdaten, Rasterfahndung: ordnet Norm, Beweislast und Gegenargument; Ergebnis: Schnittstellenkarte mit Zuständigkeits- und Nachweisfragen.'
author: Klotzkette
author_url: https://github.com/Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/tree/main/verhaeltnismaessigkeitspruefer/skills/ueberwachung-streubreite-vorratsdaten-rasterfahndung
license: Apache-2.0
version: 0.1.0
execution_mode: open
jurisdiction: de
practice: constitutional
language: de
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# Überwachung: Streubreite, Vorratsdaten, Rasterfahndung

## Normenanker

- Art. 10 Abs. 1 GG: Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis.
- Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG: informationelle Selbstbestimmung.
- Art. 13 GG: Unverletzlichkeit der Wohnung bei heimlicher technischer Ueberwachung.
- Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG: Zitiergebot bei Grundrechtseinschraenkung.
- Art. 20 Abs. 3 GG: Bestimmtheit, Normklarheit, Verhältnismäßigkeit.
- § 100a StPO, § 100b StPO, § 100g StPO: strafprozessuale Telekommunikations- und IT-Ermittlungen als Vergleichsfolie.
- §§ 48 ff. BDSG bzw. DSGVO/BDSG-Schnittstellen: Verarbeitung, Zweckbindung, Loeschung je nach Bereich.

## Entscheidungsanker

- BVerfG, Beschluss vom 04.04.2006, 1 BvR 518/02, BVerfGE 115, 320 (Rasterfahndung): Praeventive Rasterfahndung braucht hinreichend konkrete Gefahr; diffuse Bedrohungslagen tragen keinen tiefen Streueingriff.
- BVerfG, Urteil vom 27.02.2008, 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07, BVerfGE 120, 274 (Online-Durchsuchung): heimliche IT-Zugriffe verlangen hohe Eingriffsschwellen und Verfahrenssicherungen.
- BVerfG, Urteil vom 02.03.2010, 1 BvR 256/08, 1 BvR 263/08, 1 BvR 586/08, BVerfGE 125, 260 (Vorratsdatenspeicherung): Anlasslose Speicherung ist wegen Streubreite und Missbrauchsrisiko nur unter strengen Sicherungen denkbar.

## Frei prüfbare Quellen

- Rasterfahndung, 04.04.2006, 1 BvR 518/02: `https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/04/rs20060404_1bvr051802.html`
- Vorratsdatenspeicherung, 02.03.2010, 1 BvR 256/08 u.a.: `https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2010/03/rs20100302_1bvr025608.html`
- Online-Durchsuchung, 27.02.2008, 1 BvR 370/07 u.a.: `https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2008/02/rs20080227_1bvr037007.html`
- Grundgesetz Art. 10: `https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_10.html`

## Arbeitsauftrag

Prüfe Ueberwachungsmassnahmen nicht nur über "Sicherheitszweck ja/nein". Entscheidend sind Streubreite, Anlassnaehe, Heimlichkeit, Datenqualitaet, Auswertungsrisiko, Zweckbindung, Loeschung und effektiver Rechtsschutz.

## Intensitaetsmatrix

| Faktor | Niedrigere Intensitaet | Hoehere Intensitaet |
| --- | --- | --- |
| Anlass | konkrete Person, konkreter Verdacht | anlasslos, massenhaft, Umfeldsuche |
| Datenart | Randdaten mit kurzer Speicherdauer | Inhaltsdaten, Bewegungsprofile, intime IT-Daten |
| Heimlichkeit | offene Erhebung | verdeckt, nachtraegliche Benachrichtigung unsicher |
| Streubreite | kleine Zielgruppe | viele Unbeteiligte |
| Zweckbindung | eng, kontrolliert, dokumentiert | Zweckwechsel, Verbunddateien, automatisierte Muster |
| Sicherungen | Richtervorbehalt, Protokoll, Loeschung, Rechtsschutz | Verwaltungsermessen ohne Kontrolle |

## Vier Stufen

1. **Legitimer Zweck:** konkrete Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung; abstrakte Sicherheitsrhetorik reicht nicht.
2. **Geeignetheit:** Daten müssen den Zweck tatsaechlich foerdern; blosses "koennte nuetzlich sein" kritisch markieren.
3. **Erforderlichkeit:** zielgenauere Abfrage, kuerzere Speicherdauer, richterliche Anordnung, Stichprobe, offene Befragung, technische Filter prüfen.
4. **Angemessenheit:** Streubreite und Heimlichkeit gegen Gewicht der Gefahr; bei vielen Unbeteiligten steigen Normklarheit und Sicherungen.

## Output

- Grundrechtseingriffsprofil als Tabelle.
- Sicherungskatalog: Zweckbindung, Zugriffskreis, Protokollierung, Loeschung, Benachrichtigung, Rechtsschutz.
- Angriffslinie für Verfassungsbeschwerde oder Fachgericht: fehlende konkrete Gefahr, zu weite Datenkategorien, unzureichende Schwellen, fehlende Kontrolle.
